Seit Herbst deckt die Geothermieanlage Freiham die Grundlast des neu entstehenden Stadtteils Freiham und benachbarter Gebiete im Münchner Westen ab. Bild: © SWM/Steffen Leiprecht

SWM präzisieren Pläne für Münchner Wärmewende

Die Stadtwerke München wollen bis 2040 die Fernwärme komplett aus erneuerbarer Energie gewinnen - das ist eine wahre Herkulesaufgabe.

München soll bis 2040 die erste deutsche Großstadt werden, in der Fernwärme zu 100 Prozent gewonnen wird. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Geothermie. Dass dieser Umbau einer Herkulesaufgabe gleichkommt und eine langfristige und nachhaltige Planung erfordert, wurde gestern bei einem Pressetermin der Stadtwerke München (SWM) im Heizkraftwerk Süd deutlich.

Eine große technische Herausforderung stellt gemäß SWM die Umstellung des 800 Kilometer Münchner Fernwärmenetzes dar. So habe ein geothermiegespeistes Netz andere Spezifikationen als ein konventionell gespeistes. Für die Umrüstung müsssen die Straßen, in denen Fernwärmerohre verlegt sind, geöffnet werden. "Ein gestreckter Zeitplan verhindert, dass weite Teile der Innenstadt parallel und über mehrere Jahre eine einzige große Fernwärmebaustelle sind - und dass viele Kunden für längere Zeiträume notversorgt werden", erklärte Stephan Schwarz, SWM-Geschäftsführer Technik und Versorgung. Auch die Kundenanlagen müssten umgesetzt werden, da ein geothermisch gespeistes Netz auf einem anderen Temperaturniveau gefahren werde. Der Umstellungszeitraum sei aber für die Kunden beherrschbar.

Eine langfristige Planung gewährleiste zudem auch die Koordination mit vielen anderen Baumaßnahmen und Großprojekten in München. Gleichzeitig stelle sie sicher, dass genügend qualifizierte Baufirmen gefunden werden können. Für die Umstellungszeit sichert die konventionelle Kraft-Wärme-Kopplung in den Heizkraftwerken Nord und Süd die Wärmeversorgung der Münchner.

Im Stadtteil Riem und in der Gemeinde Sauerlach nutzen die SWM laut eigenen Angaben Erdwärme bereits seit längerem erfolgreich. Im neuen Stadtteil Freiham ist gerade eine Geothermieanlage in Betrieb gegangen, eine weitere Anlage mit einer Leistung von 30 MW soll ab 2018 auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd entstehen. Bis 2025 sollen noch drei weitere Geothermieanlagen gebaut werden. Um geeignete Standorte zu finden hatten die SWM 2015/2016 eine umfangreiche Seismik-Messkampagne durchgeführt. Die Auswertung dieser Messdaten läuft noch, teilen die SWM mit. Im nächsten Schritt würden dann die nächsten Standorte schrittweise ermittelt. (hoe)