Überschüssiger Windstrom bewegt Containerriesen

Gütertransport im Hamburger Hafen ohne Emissionen Engel + Gielen

Batteriewechselstation für den emissionsfreien Transport von Gütern im Hamburger Hafen Engel + Gielen

Der Hamburger Hafen testet den Einsatz von Ökostrom-Spitzen für den Betrieb von vollautomatischen Elektro-Schwerlastfahrzeugen zum Containertransport.

In einem vom Bund geförderten Forschungsprojekt zur Elektromobilität testet die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) zusammen mit dem Energieversorger Vattenfall und zwei weiteren Projektpartnern den Einsatz von überschüssigem Windstrom zum Betrieb von Schwerlastfahrzeugen, und zwar im Containerterminal Hamburg-Altenwerder, der wegen seiner weitgehenden Automatisierung als modernster Containerumschlagsplatz der Welt gilt.

Der Ökostrom versorgt bereits seit 2011 zehn automatisch gesteuerte Fahrzeuge (automated guided vehicles – AGV), die rund um die Uhr Container über die Kais transportieren; jedes wiegt voll beladen bis zu 100 Tonnen. Die Grundidee: Künftig soll der Strom in den Batterien der AGV im Hamburger Hafen dann gespeichert werden, wenn in Zeiten hohen Windangebots im Norden Deutschlands und geringer Nachfrage die Strompreise fallen oder gar negativ werden.

"Solche Fälle von überschüssigem Windstrom werden in den kommenden Jahren immer häufiger auftreten", sagte Oliver Weimann, Geschäftsführer des Projektpartners Vattenfall Innovations, anlässlich der Projektpräsentation. Das rd. 10 Mio. € teure, vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Vorhaben BESIC (Batterie-Elektrische Schwerlastfahrzeuge im intelligenten Containerterminalbetrieb) soll zeigen, "wo wir in Zeiten hohen Ökostromangebots die Verbräuche ökonomisch sinnvoll verschieben können". Stefan Behn, Containervorstand der HHLA erwartet, dass durch den flexiblen Einsatz von billigem Ökostrom die Stromkosten zum Betrieb des Terminals erheblich sinken werden.

Schon jetzt ist der Batteriebetrieb der AGV der traditionellen Dieselversorgung überlegen, mit der noch 74 der 84 AGV in Altenwerder fahren. "Pro Stunde verbrauchen die Fahrzeuge 7,5 l Diesel. Die Batterien ziehen dagegen nur 20 kWh für jede Betriebsstunde aus dem Netz", rechnet Armin Wieschemann vom Düsseldorfer Spezialisten für Hafentechnologie und Projektpartner Terex vor. Bei bis zu 6000 Betriebsstunden im Jahr summiert sich die Ersparnis auf einen fünfstelligen Betrag. "Bei Betrachtung der gesamten Flotte liegt die Einsparung im Elektrobetrieb im Vergleich zum Diesel bei 1 Mio. €." Wie viel der Einsatz des Überschussstroms noch an weiterer Ersparnis für die Betriebskosten der HHLA bringt, soll das Forschungsprojekt nun klären. Sollte das Projekt zum Einsatz von überschüssigem Windstrom "im anspruchsvollen Terminalbetrieb funktionieren und Kosten sparen", so HHLA-Manager Behn, "ist dies richtungweisend für die Zukunft des Schwerlastbereichs." (or)