Das Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde in der brandenburgischen Lausitz gehört noch bis spätestens August 2016 Vattenfall, danach einem tschechischen Konsortium aus EPH und PPF Investments.
Bild: J.H. Janßen/Wikipedia

Umfrage: Lausitzer mehrheitlich für Kohle

Einer Umfrage im Auftrag IG BCE zufolge wollen nur 12 % der Lausitzer aus der Kohlekraft aussteigen. Die Grünen kritisieren sie als manipulativ.

Neun von zehn befragten Lausitzern sind gegen die Abschaltung von Kohlekraftwerken, so das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Dies berichten lokale Medien. 63 % von 2000 Befragten sind der Meinung, dass die Braunkohle-Industrie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sei. Fast die Hälfte (49 %) denkt, dass die Braunkohle-Industrie zukunftssichere Arbeitsplätze schafft und erhält.

Die Befragten im Lausitzer Kohlegebiet sorgen sich den Demoskopen zufolge mehr um die Arbeitsmarktsituation als um Umweltprobleme: 56 % der Befragten sehen Arbeitslosigkeit als das gravierendste Problem der Region an. Nur 4 % meinen dies bei Umweltproblemen. Allerdings denkt jeder Fünfte, dass neue Tagebaue nicht zu verantworten seien, "weil die Schäden für die Umwelt und Natur zu groß sind". Forsa hatte nach dem Zufallsprinzip 2000 Bewohner gefragt.

Kritik an der Umfrage hagelte es von den Bündnisgrünen. Der Lausitzer Bundestagskandidat der Grünen, Wolfgang Renner, äußerte sich auf seiner eigenen Homepage: "Hier wurde mit manipulativen Fragen versucht, Stimmung zu machen". Nach den Umfrageergebnissen hätten sich auch angeblich 34 % der Grünen Anhänger für neue Tagebaue ausgesprochen. Aus Sicht Renners wurde jedoch nicht abgefragt, ob die Teilnehmer für einen mittelfristigen Ausstieg stehen, wie ihn die Bündnisgrünen seit Jahren fordern. Zugelassen waren ihm zufolge nur einfache Ja- oder Nein-Antworten. Stattdessen sei es nun dringend an der Zeit, einen gleitenden Übergang in eine kohlefreie Lausitz in Angriff zu nehmen, so Renner. (sg)