Werden die nötigen Stromtrassen bis zum endgültigen Abschalten der AKWs fertig gestellt?
Bild: © bdavid32/AdobeStock

VBEW-Appell vor den Koalitionsverhandlungen

Um eine ausreichende Netzinfrastruktur bis zum Atomausstieg zu gewährleisten, brauche man die Unterstützung der Politik, heißt es.

In Hinblick auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen zwischen der CSU und den Freien Wählern wirbt der Verband der bayerischen Energie und Wasserwirtschaft (VBEW) für einen Fokus auf die Umsetzbarkeit der Energiewende. "Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Energiewende", fordert Detlef Fischer, Geschäftsführer des VBEW.

Er appelliert an die Politik, nicht "einmal getroffene Entscheidungen für die Energieversorgung des Landes im Jahresrhythmus immer wieder in Frage zu stellen" und somit die "Verorgungssicherheit für eine erfolgreiche Energiewende aufs Spiel" zu setzen.

Erneuerbare Energien können Defizit nicht überwinden

Bayern kann sich schon heute nicht mehr rund um die Uhr selbstständig mit Strom versorgen. Der Ausstieg aus der Kernenergie stellt das Bundesland vor eine große Herausforderung: In einigen Jahren wird die Hälfte des Strombedarfs importiert werden müssen. Die Infrastruktur dafür existiert aktuell noch nicht.

Trotz aller Anstrengungen wird es laut VBEW nicht gelingen das entstehende Defizit durch den Ausbau der erneuerbaren Energien zu überwinden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass in derselben Geschwindigkeit, in der gesicherte Leistung aus den AKWs rausgeht, gesicherte Leistung aus verschiedenen Erzeugungsformen nachkommt“, sagte Fischer der ZfK.

Ausbau des Stromübertragungsnetzwerks als Lösung

Geplant ist laut Fischer ein Mix der verschiedenen Energieformen, der innerhalb und außerhalb von Bayern produziert wird. Die Konzentration wird auf den erneuerbaren Energien und Erdgas liegen, ein Energiemix, der auch neue Probleme mit sich bringt: „Erdgas ist nicht der günstigste Energieträger. Preissteigerungen sind zu erwarten und zudem ist es der erste fossile Brennstoff, der ausgehen wird“, gibt Fischer zu bedenken. Auch könne er sich nicht vorstellen, dass PV und Wind in den nächsten Jahren bedarfsgerecht 24/7 Strom liefern können.

Allerdings müsse die vollständige Ersetzung der AKW Leistungen auch gar nicht das Ziel sein, es bestünde die Möglichkeit sich zu vernetzen und den Strom außerhalb von Bayern produzieren zu lassen. Dafür bräuchte man allerdings einen schnell voranschreitenden Ausbau des Stromübertragungsnetzwerkes – und um dieses ausbauen zu können stabile Rahmenbedingungen. Aktuell ist der Bau von zwei Gleichstromtrassen nach Bayern geplant.

Plan B: Netzersatzanlagen

Die Zeit drängt, denn das Ende des AKWs Isar II für Ende 2022 anberaumt. „Und man weiß nicht, ob die so lange fahren“, meint Fischer. Er rechnet mit einem früheren vom Netz gehen des AKWs aus betriebswirtschaftlichen Gründen.

Sollte der Ausbau der Stromtrassen nicht zügig genug voran gehen, gibt es jedoch einen Plan B: „Es laufen derzeit Ausschreibungen für sogenannte besondere netztechnische Betriebsmittel, die im Ernstfall die wegfallende Kernkraftleistung überbrücken sollen. Als Betriebsbeginn ist hier der 1. Oktober 2022 vorgesehen. Erst kürzlich wurde die Laufzeit dieser Netzersatzanlagen von 2027 auf den 1. September 2032 verlängert. Man scheint also in Bayern nicht mit einer zügigen finalen Lösung für die Sicherung der Stromerzeugung zu rechnen. (hol)