Die Suedlink-Trasse soll von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Hessen und Thüringen nach Bayern und Baden-Württemberg führen.
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Werra-Meißner-Kreis lässt Suedlink-Planung überprüfen

Niemand wil sie vor der Haustüre haben: Nachdem es bereits etliche Widerstände gegen die geplante Nord-Süd-Trasse gegeben hat, verbrüdern sich nun Hessen und Niedersachsen im Protest.

Der Werra-Meißner-Kreis lässt den voraussichtlichen Verlauf der Stromtrasse Suedlink in Hessen untersuchen. Man habe ein externes Fachgutachten in Auftrag gegeben, um den vorgesehenen Trassenkorridor zu betrachten und mit Alternativen zu vergleichen, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Rainer Wallmann (Grüne). Ende Februar hatten die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW den voraussichtlichen Streckenkorridor vorgestellt, den die Nord-Süd-Leitung nehmen soll. Dieser führt in Hessen nur durch den Werra-Meißner-Kreis.

Man wolle den Abwägungsprozess untersuchen, der zu dieser vorläufigen Entscheidung geführt habe, erklärte Wallmann: "Wir wollen einen sachlich-fachlichen Abwägungsprozess, eine politische Entscheidung akzeptieren wir nicht." Sollte der Trassenkorridor beispielsweise nur durch Hessen verlaufen, um andere Bundesländer zu besänftigen, werde man sich mit allem Rechtsmitteln gegen eine solche politische Entscheidung wehren.

Verstärkung kommt aus Niedersachsen

Da die Trasse nun nicht mehr wie befürchtet durch Osthessen verläuft, ist der nordhessische Landkreis der einzige betroffene in Hessen. Wallmann rechnet dennoch mit Unterstützung: "Auch das Land Hessen hat ein Interesse, dass nicht politisch entschieden wird." Zudem hat sich der Werra-Meißner-Kreis Partner in Niedersachsen gesucht. Man habe das Gutachten zum Korridor zusammen mit der ebenfalls betroffenen Stadt Göttingen in Auftrag gegeben.

Der Werra-Meißner-Kreis hatte nach Bekanntgabe des voraussichtlichen Trassenverlaufs sechs Bürgerinformationsveranstaltungen organisiert. Dazu seien 1500 Zuhörer gekommen. "Es bestehen zahlreiche Ängste bei den Menschen", sagte Wallmann. Er appelliert an die Bürger, sich am weiteren öffentlichen Verfahren zu beteiligen und möglichst viele Einwendungen gegen die Stromtrasse abzugeben. Die Bundesnetzagentur entscheidet über den Suedlink-Verlauf voraussichtlich Ende 2019. (dpa/ls)