Windkraftanlagen in der Nähe von Husum ZfK/Al

Windenergieausbau weiterhin gut

Trotz Schlingerkurs der Regierung im Frühjahr setzen Investoren weiterhin auf Windenergie.

Im ersten Halbjahr wurden etwa so viele Windenergieanlagen wie im vergangenen Jahr installiert. Das verdeutlichen die von der Deutschen Wind Guard im Auftrag des Bundesverbandes Windenergie e. V. (BWE) und VDMA Power Systems ermittelten Zahlen der aktuellen Herstellerbefragung: Von den insgesamt rd. 1143 MW neu installierter Leistung wurden etwa 1038 MW an Land und 105 MW im Meer installiert.

BWE-Präsidentin Sylvia Pilarsky-Grosch: "Der Zubau im ersten Halbjahr liegt an Land mit 80 MW oder etwa 8 % über dem Wert des Vergleichszeitraums 2012. Unsere Annahme für den Ausbau der Windenergie an Land in 2013 in Höhe von 2700-2900 MW bestätigt sich mit diesem Wert. Es ist ein erfreulich stabiles Wachstum, wenn man die richtungslose politische Debatte im Frühjahr über Änderungen am EEG berücksichtigt. Während die Bevölkerung und die Industrie an der Energiewende hart arbeiten, hat die Bundesregierung hier noch Nachholbedarf. Politik und Bürokratie behindern nach wie vor eine zügige Energiewende."

Immer noch verhalten zeigt sich die Entwicklung der Windenergie auf See: Hier gingen im ersten Halbjahr 2013 nur 21 Offshore-Windenergieanlagen mit 105 MW ans deutsche Netz - europaweit waren es 1045 MW. Aber die Aussichten auf ein stärkeres Wachstum der Offshore-Branche verbessern sich: Im Jahr 2012 wurden über 109 Fundamente und in diesem Jahr bereits im ersten Halbjahr weitere 155 Fundamente aufgestellt. Bei einem Durchschnitt von 4 MW pro Fundament sind das nach Installation und Netzanschluss der Turbinen zusammen rd. 1000 MW. 38 Turbinen mit zusammen knapp 200 MW waren im ersten Halbjahr installiert, aber noch nicht am Netz. Einige davon und weitere, die in der zweiten Jahreshälfte installiert werden, werden noch in diesem Jahr ans Netz gehen und ersten Strom einspeisen. Insgesamt wird mit etwa 200 MW für 2013 und über 1000 MW für 2014 und für 2015 gerechnet.

Thorsten Herdan: "Die Zahlen zeigen, dass die in Bau befindlichen Offshore-Windenergie-Projekte mit zusammen knapp 2000 MW zur Umsetzung gelangen. Allerdings ist so schnell wie möglich ein deutliches Signal seitens der Bundesregierung notwendig, um endlich Planungssicherheit für Investoren bei der zweiten Ausbaustufe von weiteren 5000 Megawatt zu erhalten. Ansonsten wird bis 2015 kein weiterer Euro in neue Projekte investiert."

Ebenfalls Zahlen zum Windenergieausbau präsentiert hat Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller: "Im ersten Halbjahr sind bei den zuständigen Behörden Anträge für 65 Anlagen eingereicht worden. Mit Stand 30. Juni lagen somit Genehmigungsanträge für insgesamt 106 Windenergieanlagen vor, ein Plus von über 20 % gegenüber dem Stand Ende März", betonte der Umweltminister. Zudem gebe es derzeit für 316 Anlagen konkrete Voranfragen. Genehmigt haben die Landratsämter in den ersten sechs Monaten des Jahres den Bau von 14 Anlagen.

Nachdem zum 1. Januar des Jahres die vormaligen "Ausschlussgebiete für die Windkraft" ihre Gültigkeit verloren haben, greift inzwischen auch das neue Landesplanungsgesetz: "Elf von zwölf Regionalverbänden haben nunmehr einen Aufstellungsbeschluss zum Thema Windkraft gefasst", erklärte der Minister weiter. Zehn von ihnen haben hierbei insgesamt 360 Suchräume als potenzielle regionalplanerische Vorranggebiete erwogen. Für sechs dieser zehn Regionalverbände liegen derzeit Aussagen über die Anzahl möglicher Windkraftanlagen vor. "Allein in diesen sechs Regionalverbänden werden bis zu 1215 Windkraftanlagen für möglich erachtet", erläuterte Umweltminister Untersteller. Daneben haben auf Ebene der Bauleitplanung zur Zeit 251 Planungsträger einen Aufstellungsbeschluss für einen Flächennutzungsplan zur Steuerung der Windenergie gefasst.

"Die Zahlen belegen, dass der Ausbau der Windkraft im Land an Fahrt gewinnt, auch wenn wir die hinter ihnen stehenden Anlagen derzeit natürlich noch nicht sehen können", sagte Franz Untersteller. Damit möglichst viele der vorliegenden Planungen und Anträge auch realisiert werden könnten, werde die Landesregierung für Planungsträger, Investoren und Genehmigungsbehörden auch weiterhin Hilfestellungen, zum Beispiel Karten über die Verbreitung von windkraftempfindlichen Vogelarten, erarbeiten.
 
"Bis ein geeigneter Standort identifiziert, die Anlage geplant, die erforderlichen Untersuchungen abgeschlossen sowie das Genehmigungsverfahren durchlaufen sind, vergehen in der Regel rund zwei Jahre", erläuterte der Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft weiter. Niemand könne daher ernsthaft erwarten, dass bereits im "Jahr der Planung 2013" besonders viele neue Windkraftanlagen in Betrieb gehen könnten. "An unserem Ziel von rund 1200 leistungsstarken Windkraftanlagen im Land bis zum Jahr 2020 ändert dies daher nichts", betonte Franz Untersteller. (al)