Podiumsdiskussion zum Thema Speichertechnologien (v.l.): Frank Gröschl ( Leiter Forschung DVGW), Ulrich Schmack (Geschäftsführer Digital Energy Solutions), Moderator Dr. Ralf Köpke (Chefreporter E & M), Christine Brandstätt (Fraunhofer IFAM), Gerd Krieger (VDMA Power Systems) und Johannes Hinrichsen (Prokurist BTB). Bild: Leßner

„Wir brauchen eingefärbten Strom“

Podiumsdiskussion: Speichertechnologien wie Power-to-X müssen von Fehlsteuerungen wie Letztverbraucherabgaben befreit werden.

"Wir brauchen eingefärbten Strom." Diese Forderung stellte gestern Johannes Hinrichsen bei einer Podiumsdiskussion während der Hannover Messe zu den Speichertechnologien Power-to-Heat und Power-to-Gas. Hinrichsen ist Prokurist der BTB Blockheizkraftwerks-Träger und -Betreibergesellschaft. Die BTB betreibt seit vergangenem Jahr eine 6-MW starke Power-to-Heat-Anlage in Berlin-Adlershof. Ein Verdienst springt dabei nicht heraus, da die Anlage noch Letztverbraucherabgaben zahlen muss und die Erlöse an den Regelenergiemärkten immer mehr in die Knie gehen. Dabei wäre die Anlage so sinnvoll.

Laut Hinrichsen hat der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz im vergangenen Jahr etwa 1,3 TWh an Strom aus erneuerbaren Energien abgeschaltet, weil das Netz die Strommengen nicht fassen konnte. Eine Power-to-Heat-Anlage wie seine, könnte gerade in Zeiten von Überschussstrom das System entspannen. Deshalb regte Hinrichsen an, eine Unterscheidung vorzunehmen, wie sie bereits bei Diesel und Heizöl besteht. Obwohl das gleiche Ausgansgprodukt, wird der Energieträger je nach Einsatzgebiet anders eingefärbt und steuerlich anders behandelt. Eine ähnliche Regelung forderte Hinrichsen auch für Überschussstrom, der dann - bildlich gesehen - ebenfalls eingefärbt werden sollte.

Solche offensichtlichen Fehlallokationen, wie die Letztverbraucherabgaben auf Power-to-X-Anwendungen, gehörten so schnell wie möglich beseitigt, befand auch Ulrich Schmack, Geschäftsführer von Digital Energy Solutions. Um zu einer wirklichen Sektorkopplung zu kommen, müssten die unterschiedlichen Sektoren Strom, Wärme und Mobilität von der Bundesregierung zu einem Level-Playing-Field ausgerichtet werden. Die Energieträger im Wärme-, Mobilitäts- und Stromsektor werden leider völlig unterschiedlich behandelt.

Doch die Politik lässt sich nicht treiben bei einer Angleichung. "Vor der Wahl passiert nichts mehr", meint Gerd Krieger vom Fachverband Power Systems im VDMA. Das Wirtschaftsministerium werde jetzt erst das EEG, das Strommarkt- und das Digitalierungsgesetz abarbeiten. Im Prinzip habe die Politik die Situation bezüglich Sektorkopplung erkannt, doch es gebe keine Entscheidung. "Doch, wenn nichts gemacht wird, passiert auch nichts", machte Krüger deutlich. Solange der regulatorische Rahmen nicht passe, gebe es keine Geschäftsmodelle. Die Technik sei vorhanden. Von daher werde auch die Menge an abgeregeltem Strom aus Erneuerbaren steigen.

"Wir brauchen eine gesamtsystemische Betrachtung über alle Sektoren", machte auch Frank Gröschl, Leiter Forschung beim DVGW deutlich. Im Prinzip werde von der Regierung nur auf den Netzausbau geschaut. Doch zieführend sei die parallele Weiterentwicklung von Netzen und Speichern. Und Speicher bedeuten vor allem die zeitliche und räumlich Entkopplung von Erzeugung und Verbrauch. Power-to-Gas sei eine sinnvolle Anwendung für die Transformation von Energie in einen chemischen Speicher, der dann saisonal verschoben im Winter Anwendung findet.

Power-to-Gas sei bereits weit entwickelt. Was jetzt folgen müsse, sei eine Standardisierung bei den Komponenten und eine Kostenreduktion unter 1000 Euro pro kW. Gröschl riet ferner, ein Design für ein System mit 95 Prozent erneuerbare Energien zu entwickeln und anhand dieses Zieldesigns die Energiewirtschaft Schritt für Schritt umzubauen. (al)