Ben Voorhorsten, Chief Operating Officer (COO) bei TenneT TSO, ist überzeugt, dass die "erneuerbaren Energien einen großen Teil des Stroms ausmachen werden und die Einspeisungen dezentraler erfolgen". Aber er sieht auch noch viele unbeantwortete Fragen, sagte er auf der Veranstaltung "Netzentwicklungsplan – welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?" vom Forum für Zukunftsenergien.
"Wo wird die Regierung bei der Netzplanung stehen und was wird sie fördern? Wie können wir die aktuellen und möglichen Entwicklungen in einer Szenarien-Bandbreite abbilden?" Die ersten Schritte seien gemacht, aber essenziell sei es, dass viele beteiligt werden aus der Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, um die Netzplanung besser zu machen, so der COO.
Die Netzbetreiber nicht alleine lassen
Dass die Bürgerbeteiligung und -akzeptanz ein dickes Brett ist, darauf ging auch Ingrid Nestle, Bundestagsabgeordnete für die Fraktion Bündnis90/Die Grünen, ein. Sie sieht die Politiker in der Verantwortung: "Die Politik muss gerade stehen für ihre Entscheidungen: Man darf die Netzbetreiber nicht alleine in die Regionen senden und sie den Ausbau erklären lassen. Die Bürger glauben ihnen nicht." Die Politiker müssen deshalb ihre Entscheidungen klar bis in die kommunale Ebene kommunizieren. Fast alle Parteien stehen hinter dem Netzausbau und dies müssten auch die Kommunalpolitiker den Bürgern ausdrücklich erläutert und die Vorteile dessen aufzeigen.
Mark Helfrich, Bundestagsabgeordneter der CDU/CSU-Fraktion, warf ein, dass die Kommunalbürgermeister auch die Relevanz von erneuerbaren Energien den Bürgern in Erinnerung rufen müssten: "Beispielsweise unsere lokale Feuerwehr oder Kita können wir uns nur durch die Windenergie leisten. Dieses Wissen hilft, dass die Menschen sehen, dass die erneuerbaren Energien etwas Positives für sie bewirken und bindet sie auch stärker ein", so der Abgeordnete.
Mehr Direktstrom und Wasserstoff als Lösungsansatz
Originär auf die Gas-Netze bezogen, so ist sich Thomas Gößmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Thyssengas, sicher: "Wasserstoff ist die zukünftige Lösung, um CO2-Neutralität in vielen Sektoren mit zu erreichen." Deutschland brauche von daher ein in sich stimmiges, volkswirtschaftlich sinnvoll umgesetztes Wasserstoffsystem. Dieses könnten die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) auch realisieren. Für diese erforderlichen Wasserstoffnetze könnten weite Teile der heutigen Erdgasnetze genutzt werden. "Aber wir bräuchten hierfür einen regulatorischen Rahmen, der noch nicht gegeben ist und klare Verantwortlichkeiten bei Wasserstoff", so Gößmann.
Wohingegen Andreas Rimkus, SPD-Bundestagsabgeordneter, sich grundsätzlich für mehr Freiraum aussprach: "Wir wollen klimaneutral sein und effizient. Hierfür brauchen wir mehr experimentelle Spielräume in den Reallaboren. Es braucht eine Experimentierklausel." (ab)



