Strom

Nach Stromnetz-Engpass: Oranienburg darf Umspannwerk bauen

Nach den Engpässen 2024 gab es Unstimmigkeiten zwischen Stadtwerken und vorgelagertem Netzbetreiber. Nun setzen Oranienburger auf ein eigenes Umspannwerk, um die Versorgung zu sichern.
15.12.2025

Die Stadtwerke Oranienburg finden eine Lösung für die Engpässe im örtlichen Stromnetz.

Hinweis: Wir haben den Text um die Information ergänzt, dass die Stadtwerke den Mehrbedarf im Stromnetz zu spät an den vorgelagerten Netzbetreiber Edis Netz gemeldet hatten.

Von Julian Korb

Die Stadtwerke Oranienburg haben vom Landkreis Oberhavel (Brandenburg) die Baugenehmigung für den Neubau eines eigenen Umspannwerks erhalten. Der Baustart ist für das erste Quartal 2026 geplant, die Fertigstellung voraussichtlich im Sommer 2027. Mit dem eigenen Umspannwerk wollen die Stadtwerke die Stromversorgung der wachsenden Stadt dauerhaft sichern und Engpässe wie 2024 verhindern.

Engpässe im vergangenen Jahr

Im Frühjahr 2024 waren Teile Oranienburgs von einem vorübergehenden Kapazitätsengpass im Stromnetz betroffen. Neue Hausanschlüsse konnten nicht genehmigt, Leistungserhöhungen für Wärmepumpen oder Ladeinfrastruktur teilweise ausgesetzt werden.

Zuvor waren mehrere Faktoren zusammengekommen: die überaus positive wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, der starke Zuzug von Neubürgern sowie der zunehmende Einsatz von Wärmepumpen und Elektromobilität. Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur hatten die Stadtwerke diesen Mehrbedarf aber zu spät erkannt und daher auch zu spät an Edis Netz gemeldet. Der vorgelagerte Netzbetreiber konnte die notwendige Mehrleistung am bestehenden Umspannwerk daher kurzfristig nur begrenzt bereitstellen.

Diskussion um Erweiterung

Ende April 2024 einigten sich Edis Netz und die Stadtwerke auf eine Übergangslösung. "Dank der kurzfristigen Maßnahmen von Edis konnten wir ab Mai 2024 wieder neue Haushalte anschließen und Leistungserhöhungen realisieren", erklärt Peter Grabowsky, Geschäftsführer der Stadtwerke Oranienburg. "Diese Lösung war jedoch nur temporär. Für die dauerhafte Versorgungssicherheit brauchen wir ein eigenes Umspannwerk."

Diskussionen über eine dauerhafte Erweiterung am bestehenden Umspannwerk scheiterten nach Darstellung der Stadtwerke an unterschiedlichen technischen und wirtschaftlichen Vorstellungen. Der Kommunalversorger wollte eine Kapazität, die die wachsende Stadt auch langfristig abdeckt, während Edis wegen der späten Kommunikation keine sofortige Lösung für die deutlich höheren Anforderungen garantieren konnte. Daher entschieden sich die Stadtwerke, selbst zu bauen, um künftig unabhängig und flexibel zu sein.

Stadt gibt Eigenkapital in Millionenhöhe

Das Bauprojekt entsteht nun im Westen Oranienburgs. Geplant ist ein Umspannwerk, das den steigenden Strombedarf durch neue Wohnquartiere, Gewerbeansiedlungen und die Energiewende abdeckt. Herzstück sind die bereits fertiggestellten Transformatoren. Ergänzend wird ein flaches, eingeschossiges Funktionsgebäude errichtet.

"Neben einer verlässlichen Stromversorgung sichern wir mit dem Umspannwerk auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und schaffen Raum für neue Arbeitsplätze", so Grabowsky. Bürgermeister Alexander Laesicke ergänzt: "Das neue Umspannwerk ist ein starkes Signal für die Zukunftsfähigkeit Oranienburgs." Die Stadt stellt dafür rund 13 Millionen Euro Eigenkapital bereit, die Gesamtinvestition beträgt 34,5 Millionen Euro.

Mit dem eigenen Umspannwerk setzen die Stadtwerke Oranienburg einen entscheidenden Schritt, um die Stromversorgung der Stadt langfristig stabil zu halten, neue Technologien wie Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur zu unterstützen und die wachsende Stadt zukunftsfähig zu machen.