Ein Blockheizkraftwerk der Ahrtal-Werke. Bild: Ahrtal-Werke

BHKW-Anlagen werden "totgerechnet"

BHKW-Infozentrum und E&U Energiebüro decken Fehler bei EnEV-Software-Programmen auf.

Am 1. Mai trat die neue Energie-Einsparverordnung (EnEV) in Kraft. Diese schreibt Mindest-Wärmedämmstandards vor. Effiziente Heizungstechnologien wie beispielsweise Blockheizkraftwerke (BHKW) können den Primärenergiebedarf von Gebäuden merklich vermindern.

Die Norm bei der Berechnung vom Primärenergiebedarf bei BHKW-Installationen ist die DIN 18599. "In der Praxis sehen sich aber Energieberater und Architekten nach der Umstellung der Berechnungssoftware auf die EnEV 2014 mit dem Problem konfrontiert, dass bei Berechnungen beim Einsatz einer BHKW-Anlage immens hohe Primärenergieverbräuche ermittelt werden", berichten Markus Gailfuß vom BHKW-Infozentrum (Rastatt) und der EnEV-Fachmann Michael Brieden-Segler vom E&U Energiebüro (Bielefeld). So wird beispielsweise aus einem ehemaligen KfW-70-Haus – also einem Gebäude, das die Vorgaben der EnEV 2009 um 30 % unterboten hatte – bei Berechnung mit der neuen Software ein Gebäude, das sogar die Mindestvorgaben der EnEV 2014 nicht erfüllen kann.

"Es fällt auf, dass bei einem BHKW-Einsatz ein Primärenergiefaktor für die Berechnung angenommen wird, der ungünstiger ist, als der Faktor für einen normalen Brennwertkessel", so Michael Brieden-Segler. "Der Verdacht liegt nahe, dass die vom BHKW erzeugte Strommenge nicht berücksichtigt wird – sehr wohl aber die für die Stromproduktion benötigte zusätzliche Brennstoffmenge". Ein fataler Fehler, der dazu führe, dass BHKW-Anlagen als sinnvolle Option zur Energieeinsparung verschwinden würden. "BHKW-Anlagen würden sozusagen totgerechnet", so Brieden-Segler.

Die am Markt erhältlichen EnEV-Berechnungsprogramme nutzen bis auf wenige Ausnahmen einen identischen Rechenkern (Kernel). Das für diesen Rechenkern zuständige Institut wurde über das Problem in Kenntnis gesetzt und reagierte umgehend. Bereits für diese Woche wurde ein Update angekündigt, das die KWK-Berechnung im 18599-Rechenkern korrigieren wird, so Geilfuß und Brieden-Segler. (al)