Bild: © Stadtwerke Ettlingen

Bedeutendes Wärmeprojekt in Ettlingen geht in Betrieb

Es ist das größte Wärmeprojekt der vergangenen 40 Jahre in Ettlingen: Geschäftsführer Eberhard Oehler: „Es handelt sich um das erste Wärmenetz, das ausschließlich auf Basis erneuerbarer Energien betrieben wird.“

Von sofort an werden im Ettlinger Musikerviertel eine Vielzahl von Gebäuden klimaneutral mit Nahwärme versorgt: Im Westen der Stadt haben die Stadtwerke jetzt nach einer rund vierjährigen Planungs- und Bauphase alle wichtigen Voraussetzungen geschaffen, um die Gebäude entlang der Wärmeleitungstrasse CO2-frei mit Wärme zu versorgen.

Herzstück neue Heizzentrale

Herzstück ist die neue Heizzentrale auf dem Gelände des Beruflichen Bildungszentrums (BBZ). Es handelt sich hierbei um das größte Wärmeprojekt in Ettlingen seit rund 40 Jahren. Rund 1.800 Tonnen CO2 können künftig pro Jahr durch das Vorzeigeprojekt „zeozweifrei Nahwärme Musikerviertel Ettlingen“ eingespart werden, teilten die SWE mit. Gefördert wurde das Projekt vom Bund mit vier Millionen Euro. Rund 1,8 Millionen Euro investierten darüber hinaus die Stadtwerke Ettlingen.

Beispielgebend für weitere Projekte in ganz Deutschland

„Das Ettlinger Projekt zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltige Wärmeversorgung für ein gesamtes Stadtviertel umgesetzt werden kann“, betonte Rita Schwarzelühr-Sutter bei der Inbetriebnahme der Heizzentrale. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit unterstützte von Beginn an das Projekt und hob hervor: „Das Musikerviertel in Ettlingen kann beispielgebend für weitere Projekte in ganz Deutschland sein. Ich wünsche mir, dass es viele Nachahmerinnen und Nachahmer findet.“ Schwarzelühr-Sutter führte aus, dass die Fördergelder aus der Nationalen Klimaschutzinitiative der Bundesregierung kommen.

Anfänge des Quartiers

Die ersten konkreten konzeptionellen Überlegungen für eine Versorgung des gesamten Quartiers mit Nahwärme reichen bis ins Jahr 2013 zurück: Erste Gespräche zwischen dem Landkreis, der Stadt Ettlingen, den Stadtwerken sowie der Umwelt- und Energieagentur Landkreis Karlsruhe über eine gemeinsame Nahwärmekonzeption wurden geführt, die anschließend zwischen den Beteiligten vertraglich vereinbart wurden. Neben der Versorgung der Schulzentren und der bestehenden Wohngebäude wurde in der Kalkulation auch bereits die zukünftige Neubauentwicklung im Viertel berücksichtigt.

Zugleich Glasfaseranschlüsse mitverlegt

Eine weitere zukunftsweisende Zusammenarbeit habe auch im Rahmen der Tiefbauarbeiten zwischen den Stadtwerke Ettlingen und der Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe stattgefunden: „Wir haben während der Tiefbaumaßnahmen Glasfaseranschlüsse mitverlegt und so positive Synergien erzielt. Damit ist das Quartier nicht nur energetisch sondern auch bei der Versorgung mit schnellem Internet zukunftsfähig aufgestellt“, ergänzte Landrat Christoph Schnaudigel.

Wie es funktioniert

In der Heizzentrale wird über zwei Holzpellet-Heizkessel der größte Teil der benötigten Wärme erzeugt. Darüber hinaus kann – etwa zu Spitzenlastzeiten – zusätzlich Wärme aus einem mit Bioerdgas befeuerten Heizkessel Wärme produziert werden.  Außerdem wird über eine Solarthermieanlage auf dem Dach des BBZ ebenfalls Wärme erzeugt.

In einem 100 Kubikmeter fassenden Pufferspeicher wird die Wärme zwischengespeichert, ehe sie in Form von 70 bis 95 Grad heißem Wasser über das Nahwärmenetz direkt in die Häuser gelangt. Eine intelligente Steuerung sorgt dafür, dass je nach Sonneneinstrahlung, Außentemperaturen und Wärmebedarf stets die ökologisch und ökonomisch günstigste Wärmequelle verwendet wird. Dank der optimierten Regelung erzeugt die Heizzentrale zu jedem Zeitpunkt genau die richtige Menge an benötigter Wärme und stellt sie den Verbrauchern zur Verfügung.

Erstes Wärmenetz, ausschließlich auf Basis erneuerbarer Energien

Insgesamt wurden rund 3.200 Meter Wärmeleitungen etwa 1,50 Meter tief in Karl-Friedrich-, Beethoven-, Haydn-, Schleinkoferstraße und der Rastatter Straße verlegt. „Dort, wo es sinnvoll war, haben wir die Tiefbauarbeiten genutzt, um auch Gas- und Wasserhauptleitungen mitsamt den Hausanschlüssen zu erneuern sowie Lehrrohre für Strom und Glasfaser zu verlegen“, betonte SWE Geschäftsführer Eberhard Oehler.

Alle Arbeiten seien nun abgeschlossen. „Seit dem Bau des Fernwärmenetzes in der Innenstadt ist dies das größte Wärmeprojekt in Ettlingen seit fast vier Jahrzehnten“, betont Oehler und streicht heraus: „Es handelt sich um das erste Wärmenetz, das ausschließlich auf Basis erneuerbarer Energien betrieben wird.“

Interesse der Immobilienwirtschaft geweckt

„Zahlreiche Hausanschlüsse sind schon installiert, sodass eine Anbindung an das Nahwärmenetz schnell erfolgen kann“, erklärte Oehler, der auch ein zunehmendes Interesse bei privaten Immobilien registriert: „Wir stehen in den Startlöchern und freuen uns darauf, möglichst viele Häuser mit der klimafreundlichen Wärme versorgen zu können, sodass ein größtmöglicher Nutzen für das Klima entstehen kann.“ Insgesamt können rund 400 Haushalte im Musikerviertel profitieren. Oehler: „Das Angebot besteht, wir freuen uns auf die Nachfrage. (sg)