Die Stadtwerke Crailsheim haben mit 7500 Quadrameter Fläche die größte Solarthermie-Anlage Deutschlands installiert. Bild: Stadtwerke Crailsheim

Nicht die Solare Wärme vergessen!

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) weist darauf hin, dass Solare Wärme besser in die KWK-Gesetzgebung integriert werden müsste.

Der Wärmemarkt frisst etwa die Hälfte des gesamten Energieverbauchs Deutschland. Und die sog. Wärmewende kommt nicht in Gang. Beim Energiegipfel vergangene Woche hat die Regierung neue Richtlinien für die Kraft-Wärme-Kopplung festgelegt, die im Detail nach der Sommerpause ausgearbeitet werden.

In diesem Zusammenhang weisen Energieexperten des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) und zahlreicher wissenschaftlicher Einrichtungen darauf hin, dass die Solare Wärme bei der Ausarbeitung der neuen KWK-Konzepte nicht vergessen wird. Die Förderung der Umstellung von Kohlekraftwerken auf besonders effiziente Gaskraftwerke sei zwar grundsätzlich richtig, wenn diese in Kraft-Wärme-Kopplung besonders effizient betrieben werden. Die Förderung fossil erzeugter Fernwärme müsse bei Neuinvestitionen aber auf die Heizperiode beschränkt werden, so der BSW. Andernfalls würde die notwendige Umstellung der Fernwärmeversorgung auf Solarenergie weiterhin blockiert, obwohl diese inzwischen wettbewerbsfähig und für den Erfolg der Energiewende dringend geboten sind.

"Eine ganzjährige Subventionierung der Kraft-Wärme-Kopplung aus fossiler Energie ist für den Klimaschutz kontraproduktiv. KWK-Anlagen sollten nur in der Heizperiode laufen und eine Sommerpause einlegen. In dieser Zeit könnten Solarthermie-Anlagen deutlich umweltfreundlicher in die Wärmenetze einspeisen und mittelfristig bis zu 5 Mio. t Kohlendioxid pro Jahr einsparen", erläutert Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Die Wärmegestehungskosten großflächiger Solarthermie läge mittlerweile bei 3–5 ct/kWh.

"Es wäre geradezu absurd, wenn der inzwischen weitgehend wettbewerbsfähigen Solarwärme durch eine erhöhte Subventionierung fossiler Energie der Marktzugang verbaut wird." In Dänemark wird diese Technologie bereits in großem Umfang eingesetzt.

Bislang kommt Deutschland bei der Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien kaum voran. "Ohne einen massiven Einsatz erneuerbarer Energien ist die Wärmewende aber weder zu schaffen, noch wäre sie kosteneffizient. Deswegen sollten wir die riesigen Potenziale der solaren Nah- und Fernwärme nutzen", so Körnig. Diese Chance für die Energiewende im Wärmesektor werde zunichte gemacht, wenn fossil betriebene KWK-Anlagen weiterhin eine Zulage in den Zeiträumen erhalten, in denen der Wärmebedarf niedrig ist und kostengünstige erneuerbare Energiequellen zur Verfügung stünden. Körnig: "Es droht ein unsinniges Gegeneinander von Effizienztechnologien und erneuerbaren Energien.

"Eine KWK-Förderung im Sommer führt dazu, dass die begrenzte Wärmelast in den Wärmenetzen durch KWK-Wärme besetzt wird und keine Kapazitäten zur Aufnahme erneuerbare Energien mehr vorhanden sind. Damit würde die fossil erzeugte KWK-Wärme den Markt zulasten erneuerbarer Energien verstopfen und dem Stromsystem Flexibilität rauben."

Nach Ansicht des Bundesverbandes Solarwirtschaft sollte die Förderung von KWK-Strom im Rahmen der aktuellen Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes nach einem Übergangszeitraum ab dem Jahr 2018 auf die Heizperiode konzentriert werden, um den interessierten Kommunen und Stadtwerken den Einstieg in solarthermische Wärmenetze zu ermöglichen. Den Betreibern der KWK-Anlagen soll durch die Konzentration der Förderung auf die Heizperiode kein wirtschaftlicher Nachteil entstehen. Für die Energiewirtschaft bietet die verstärkte Integration erneuerbarer Energie in die Wärmeversorgung verlässliche wirtschaftliche Perspektiven und ein hohes Maß an Kostensicherheit, denn sie ist unabhängiger von der künftigen Entwicklung der Brennstoffpreise und vom volatilen Strommarkt.

Zu diesem Themenkomplex wurde in Baden-Württemberg unter Führung des Steinbeis Forschungsinstituts für solare und zukunftsfähige thermische Energiesysteme (Solites) eine 200 Seiten starke Studie erarbeitet. In dem Bundesland könnte großflächige Solarthermie bis zu einem Anteil von 15 % die Nah- und Fernwärme versorgen, so das Ergebnis der Studie. Sie kann unter www.solnetbw.de heruntergeladen werden. (al)