Ein Fernwärme-Düker im Hafen von Düsseldorf Bild: Stadtwerke Düsseldorf

BET-Gutachten zur Fernwärme in NRW

Energieeffizienz: Das Ruhrgebiet könnte zum größten Fernwärmeverbund ausgebaut werden.

Im Ruhrgebiet gibt es das Potenzial für den größten Fernwärmeverbund innerhalb der EU. Das ist das Ergebnis des neuen Gutachtens „Entwicklung von Fernwärmeperspektiven im Ruhrgebiet bis 2050”, das das Büro für Energiewirtschaft und technische Planung (BET) erarbeitet hat. Durch den aktiven Ausbau der bestehenden Fernwärmeinseln zu einem Fernwärmeverbund könnten noch mehr Bürger insbesondere im westlichen Ruhrgebiet (von Duisburg bis Herne) und am angrenzenden Niederrhein (Moers, Dinslaken, Voerde) durch die Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) profitieren.

Darüber hinaus hat das BET noch weitere theoretische Potenziale zur Fernwärmevernetzung im östlichen und nördlichen Ruhrgebiet identifiziert, die Realisierung des Westverbunds würde jedoch die Erschließung des größten Fernwärmepotenzials bedeuten.

Die Realisierung eines Fernwärmeverbundes würde erhebliche Mengen meist importierter fossiler Brennstoffe einsparen. Einen aktiven Ausbau vorausgesetzt, könnten im Zeitraum zwischen 2017 und 2050 mehr als 800 000 t Heizöläquivalent eingespart werden.

Umweltminister Johannes Remmel warnte davor, in der aktuellen Debatte die Energiewende auf eine reine Stromwende zu beschränken. „Wir reden viel zu viel über Strom und zu wenig über Wärme. Wir in NRW wollen dieses schlummernde Potenzial heben und das Machbarkeitsgutachten ist ein weiterer Baustein unserer neuen Klima- und Energiepolitik”, sagte Remmel.

Eine Potenzialstudie hatte im Jahr 2011 bereits ergeben, dass in NRW durch den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) theoretisch bis zu 35 % der CO2-Emissionen und 35 % der Rohstoffe in Nordrhein-Westfalen eingespart werden könnten. Bis zu 36 % des landesweiten Nutzwärmebedarfs (Heizung und Warmwasseraufbereitung, außerdem Prozesswärme für Gewerbe, Handel und Dienstleistung) könnten damit gedeckt werden. „Das Gutachten zum Fernwärmeausbau zeigt nun: Wir können dieses Potenzial durch einen Fernwärmeverbund im Ruhrgebiet ein großes Stück weit heben”, so Remmel.

Das Gutachten von BET zeige außerdem, dass mit einem Westverbund ähnlich günstige CO2-Vermeidungskosten erreicht werden könnten wie mit dem Bau der günstigsten Anlagen, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert werden. Remmel: „Somit ist der Ausbau der Fernwärme nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll.” Durch den Bau eines Fernwärmeverbundes würde außerdem die Wertschöpfung der Wärmeerzeugung regionalisiert.

Die Landesregierung will den Anteil der KWK an der Stromerzeugung von heute 13 % auf mehr als 25 % bis 2020 steigern. Das Impulsprogramm KWK der Landesregierung soll mit einem Volumen von 250 Mio. € helfen, diese Ziele zu erreichen. BET-Geschäftsführer Dr. Michael Ritzau: „Unsere Analysen für das Ruhrgebiet zeigen eindeutig, dass auch bei großen Anstrengungen zur Wärmedämmung die Fernwärme im Ballungsraum Ruhrgebiet eine nachhaltige Zukunft hat. Dazu sind zwei Hebel erforderlich: Die Erschließung emissionsarmer Abwärme-Potenziale durch konsequente Vernetzung, und ein energischer Ausbau der Fernwärme in den Verdichtungsräumen.”

Mit dem Ausbau der Fernwärmeinfrastruktur können weitere emissionsarme Wärmequellen erschlossen werden, indem zum Beispiel industrielle Abwärme genutzt oder die Wärmeauskopplung von Müllheizkraftwerken erhöht wird. Udo Wichert, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW): „Die Machbarkeitsstudie belegt, dass die Verknüpfung der Fernwärmeschienen Niederrhein und Ruhr sinnvoll ist, allerdings auch der Unterstützung aus öffentlichen Mitteln bedarf, um wirtschaftlich darstellbar zu sein.”

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den Westverbund ist nach Einschätzung von BET die Bündelung der Unternehmensinteressen. Von den Gutachtern wird vorgeschlagen, hierzu eine Verbundgesellschaft zu gründen, in der die vorhandenen und neuen Primärnetze des Ruhrgebietes eingebracht werden und die die Errichtung und den Betrieb der Primärnetze übernimmt. Eigentümer dieser Gesellschaft sollten die Fernwärmeversorger des Ruhrgebietes sein, um die freie Verfügbarkeit der Primärtrassen für den Wärmetransport zu gewährleisten.

Das Gutachten steht auf den Seiten von BET zum Download bereit. (al)