Innovative Speichertechnologie: Vattenfall pilotiert Saltx in Berlin

Das Speichersalz mit Nanobeschichtung wird aus natürlichem Kalkstein gewonnen.

3D Ansicht des Bauvorhabens im Heizkraftwerk Reuter C
Bild: © Vattenfall

Das Speichersalz soll über eine chemische Reaktion be- und entladen werden. Das könnte eine unbegrenze Speicherdauer bedeuten.

Im Vattenfall Heizkraftwerk Reuter C in Berlin laufen die Bauarbeiten für ein innovatives Speicherprojekt, das zehn mal mehr Energie unbegrenzt speichern können soll, als ein Wasserspeicher. Der Power-to-Heat Prozess soll bei Bedarf in das Fernwärmenetz eingespeichert werden.

Das Speichermedium für das Projekt ist ein Salz aus gebranntem Kalk (Calciumocid) in Pulverform, das mit einem speziellen Coating, einer Nanobeschichtung, überzogen ist. Dieser Mantel aus Silicia, einem Lithiumoxid, verhindert jegliche Wasseraufnahme des Materials, verschließt also die Poren und sorgt dafür, dass es nicht verklumpt und rieselfähig bleibt. Die Firma Saltex aus Schweden ließ sich dieses Speichermedium 2012 patentieren.

Speicherung der chemischen Reaktion

Statt nur Wärme, wie es bei anderen Speichern der Fall ist, speichert der Saltx-Speicher die chemische Reaktion und kann deswegen unbegrenzt lange die Energie halten und ist auch bei der Abgabe deutlich flexibler.

Ein Kubikmeter des Salzes soll bis zu 500 kWh Wärme abgeben können. In einen der zwei Slots der Vattenfall Anlage passen circa 15 Kubikmeter Salz. Diese könnten durch die Freigabe der chemischen Energie Wasserdampf abgeben, der eine Temperatur von 550° Celsius hat. Für beide Teile der Pilotanlage bedeutet das eine voraussichtliche Speicherleistung von fünf MW.

Aufladung des Salzes

Konkret funktioniert die Anlage folgendermaßen: In einem Salzsilo lagert „ungeladenes“ Salz mit Nanobeschichtung, das quasi eine Mischung aus Wasser und Salz ist. Um das Salz aufzuladen, wird es auf 500 °Celsius erhitzt. Dadurch wird das Calciumoxid zu Calciumhydroxid. Das Wasser verdampft und das trockene Salz ist jetzt „aufgeladen“. So lange das Salz trocken ist, kann es unbegrenzt gelagert werden. Um die Energie zu „entladen“ muss Wasser oder Dampf  hinzugefügt  werden. Die dann erfolgende exotherme chemische Reaktion, die Dehydrierung vov Calciumhydroxid zu Calciumoxid, setzt bis zu 500°Celsius frei.

Nach dem Laborbetrieb durch Saltx in Schweden und der Erprobung in einem Überseecontainer  durch die schwedischen Stadtwerke in Göteborg und Oresund wird der erste Industrie-Pilot in Berlin erprobt. Die Investitionen werden hierbei von Saltex übernommen, während Vattenfall die Rahmenbedingungen für einen industriellen Test bereitstellt.

Ein Jahr Pilotphase

Zwischen der blauen Müllverbrennungsturbine und der roten Turbine des Steinkohleheizkraftwerks wird die Anlage in der Halle des Heizkraftwerks Reuter C errichtet. Hier will Vattenfall vor allem die Wirtschaftlichkeit erproben. Saltx hingegen erhofft sich einen Showcase, der auch beim Vertrieb helfen kann: „Hier können wir zeigen, wie es geht. Nur ein Glas Salz in der Hand will niemand kaufen“, erklärt Christofer Rhén, Sales und Business Development bei Saltx.

Spätestens im Februar soll die Anlage in Betrieb gehen. Danach ist der Pilotbetrieb vorerst bis Ende 2019 geplant. Das könne aber bei Bedarf auch noch verlängert werden, so  Markus Will, Prokurist und Leiter Energiewirtschaft bei Vattenfall. „Wir brauchen den Platz nicht“, erläutert er. Zudem soll im kommenden Jahr auch das Steinkohlekraftwerk vom Netz gehen. Vattenfall will die neue Speichertechnologie zunächst vor allem für Regelenergie bei der Fernwärme einsetzen. (hol)