Bohrturm – die Beleuchtung dient dem Schutz von Vögeln.
Bild: © Wintershall

Öl- und Gasbohrungen für Erdwärme nutzen

In Niedersachsen gibt es tausende Bohrlöcher. Geothermieforum wirbt für deren Nachnutzung.

Auf der Suche nach heimischen Öl- und Gasvorräten hat die Industrie in den vergangenen Jahrzehnten allein in Niedersachsen mehr als 10.000 Löcher mit einer Tiefe von über 400 Metern in die Erde gebohrt. Die Stellen befinden sich vor allem im niedersächsischen Erdöl- und Erdgasgürtel zwischen Sachsen-Anhalt und der niederländischen Grenze.

Viele Bohrlöcher enden in Gesteinshorizonten, die Temperaturen von deutlich mehr als 60 Grad Celsius aufweisen. Im Einzelfall bieten sie eine attraktive Möglichkeit, um Erdwärme zu gewinnen, sagt Wolfgang Wirth vom niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). So seien Investitionen und Risiken meist wesentlich geringer als bei Erdwärmeprojekten, für die eine Neubohrung notwendig wäre.

Mit der Umnutzung beschäftigt sich das Geothermieforum Niedersachsen, eine Plattform zum Erfahrungstransfer aus der Erdgas- und Erdöl- in die Erdwärmebranche. Das Geothermieforum hat drei neue Publikationen veröffentlicht: einen Bericht zur Geothermischen Nachnutzung von Bohrungen, eine Liste von Bohrungen, die möglicherweise nachnutzbar sind und eine Checkliste für privatrechtliche Verträge zur Übertragung einer Bohrung.

Neun Stellen könnten sich gut eignen

Der Bericht und die Checkliste geben einen Überblick über Rahmenbedingungen für eine Folgenutzung und Vereinbarungen zum Unternehmerwechsel. Der Bericht geht insbesondere auf die notwendigen rechtlichen Schritte ein, die bisher häufig als Hürde für eine Nachnutzung von Bohrungen angesehen wurden.

Die Liste, die mindestens zweimal pro Jahr aktualisiert wird, enthält derzeit neun Bohrlöcher, die möglicherweise für eine Nachnutzung in Frage kommen. Darunter sind vier im Landkreis Diepholz, eine in der Region Hannover und jeweils eine in den Landkreisen Oldenburg, Rotenburg, Nienburg und Uelzen. (wa)