Noch sind die langfristigen Folgen des gestiegenen Ölpreises unklar.
Bild: © Angelika Warmuth/dpa

Ölpreis-Schock: Historischer Preissprung nach Drohnenangriffen

Nach den Angriffen auf die saudi-arabische Ölindustrie folgen an den Märkten Turbulenzen. Auch deutsche Heizölkunden sind betroffen.

Ölpreis-Schock an den Finanzmärkten: Nach den Drohnenangriffen in Saudi-Arabien sind die Ölpreise so sprunghaft gestiegen wie seit Jahrzehnten nicht, zu Handelsbeginn waren es bis zu 20 Prozent. Die Folgen bekommen auch die Verbraucher in Deutschland zu spüren: So wurde Heizöl teurer. Weltweit gerieten Aktienmärkte unter Druck. Anders als die USA bereitet die Bundesregierung aber keine Freigabe von strategischen Ölreserven vor.

Der Preis für Heizöl sprang am Montag regional unterschiedlich um drei bis fünf Cent je Liter nach oben, teilte der Messgeräte-Hersteller Tecson mit. Der bundesweite Durchschnittspreis für 100 Liter Heizöl (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt) erhöhte sich demnach um rund vier Euro von 66,60 auf 70,50 Euro. Das bedeutete jedoch kein neues Jahreshoch.

Heizölpreise bislang stabil

Die Heizölpreise sind in diesem Jahr bislang relativ stabil geblieben. Das war in früheren Jahren ganz anders, als die Verbraucher teils mit drastischen Preiserhöhungen und Preisstürzen konfrontiert waren. Vor sieben Jahren lag der Preis für Heizöl in den meisten Wochen oberhalb von 90 Euro.

Wie stark die Auswirkungen des Preisanstiegs sein werden, hängt nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs vor allem von der Dauer des Ausfalls ab. Der Produktionsausfall von etwa der Hälfte der saudischen Tagesproduktion sei jedenfalls "eine historisch große Störung", heißt es in einer Studie der US-Bank.

Ifo-Institut: Ölpreis wird sich schnell normalisieren

Der Präsident des Wirtschaftsforschungs-Instituts Ifo, Clemens Fuest, rechnet damit, dass sich der Ölpreis schnell normalisieren wird. "Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird", sagte Fuest der dpa. Die Anrainerstaaten des persischen Golfs produzierten gut ein Drittel des weltweiten Öls. Wenn es dort zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen: "Derzeit spricht jedoch wenig dafür, dass es dazu kommt."

Am Samstagmorgen hatten mehrere Explosionen Anlagen von Saudi Aramco erschüttert. Nach Angaben des staatlichen Ölkonzerns ist der Komplex in Abkaik die größte Raffinerie des Landes und die größte Rohölstabilisierungsanlage der Welt. Ersten Angaben zufolge führten die Angriffe zu einem drastischen Einbruch der Produktionsmenge. Die Ölproduktion sei um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Tages-Volumens zurückgegangen, hatte die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA berichtet. (dpa/pm)