In der Energiezentrale (im Vordergrund) produzieren die Stadtwerke Böblingen neben Fernwärme und Druckluft nun auch Fernkälte.
Bild: © Stadtwerke Böblingen

Stadtwerke Böblingen bauen Kälteleitung

Seit über 50 Jahren gibt es in Böblingen die Fernwärme – und jetzt bieten die Stadtwerke auch noch „Fernkälte“ an. Abnehmer ist eine japanische Hightech-Firma.

Die Stadtwerke Böblingen haben für das Hightech-Unternehmen Advantest im Technologie-Park H130 auf der Hulb erstmals eine Kälteversorgung errichtet. Sie dient der Kühlung der Halbleiter-Testsysteme von Advantest, die zur Prüfung von hochkomplexen Computerchips und Prozessoren der neuesten Generation benötigt werden. Böblingen ist für das Unternehmen ein wesentlicher Entwicklungsstandort.

Die 200 Meter lange Kältetrasse transportiert in einer Leitung, dem sogenannten Vorlauf, sechs bis acht Grad kaltes Wasser von der Energiezentrale des Technologieparks zum Anlagenraum im Gebäude 2 von Advantest. Dort kühlt das kalte Wasser die komplexen Testsysteme der japanischen Firma. In einer zweiten Leitung, dem Rücklauf, strömt das dann auf zwölf bis 14 Grad erwärmte Wasser zurück zur Energiezentrale der Stadtwerke.

Stadtwerke Böblingen verfügen über Spezialkenntnisse

Der Bau einer Kältetrasse ist aufwändiger als der einer Wärmetrasse, heißt es seitens der Stadtwerke. Wegen der Kälte sind die Stahlrohre korrosionsanfälliger. Die Isolierung, die die niedrige Temperatur des Wasser halten wird, muss somit „diffusionsdicht“ ausgeführt werden. „Die Gesamtinvestitionen des Projekts beträgt rund 500.000 Euro. Es ist eine gute Investition für ein regionales Pilotprojekt, das bei Unternehmen mit einer hohen Energielast Interesse finden wird“, sagt Alfred Kappenstein, Geschäftsführer der Stadtwerke Böblingen.

„Es gibt einen hohen Bedarf an Kühlung – vor allem bei den Hightech-Unternehmen auf der Hulb und im Technologie-Park H 130. Die mittlerweile von uns betriebene Energiezentrale, welche Kälte, Wärme und Druckluft zur Verfügung stellt, leistet hier einen wichtigen Beitrag für den Standort“, so Kappenstein. Die technische Herausforderungen sind groß: Während der gesamten Lebensdauer der Trasse von etwa 20 Jahren wird kein Wasser aus dem umgebenden Erdreich die Isolierung durchdringen dürfen, da sonst die Leitungen sehr schnell rosten würden. (sig)