Wärmewende im Keller: Welcher Energieträger liegt vorne?

Für diese Heizenergien im Neubau haben sich im Jahr 2018 die deutschen Hausbauer entschieden. Erdgas lag bei den genehmigten Wohn- und Nichtwohngebäuden immer noch vor der Wärmepumpe – aber nur, wenn man die Luft- und die Erd-Wärmepumpe getrennt betrachtet. Grafik: © Zukunft Erdgas

Bei den neuen Wohngebäuden (Baugenehmigungen) hat die Wärmepumpe als Heizsystem ihren Anteil von 2014 bis 2018 hauptsächlich zulasten von Erdgas ausgebaut und liegt seit 2017 vorne. Allerdings nur, wenn man Erd- und andere Wärmepumpen zusammenzählt, wie es der Bundesverband Wärmepumpe macht. Grafik: © Bundesverband Wärmepumpe

Den Aufstieg der Wärmepumpe als Heizsystem in neuen Wohngebäuden zwischen 2014 und 2018 stellt diese Grafik dar. Hier differenziert der Verband BWP auch zwischen Erd-Wärmepumpen ("Geothermie") und Wärmepumpen mit sonstiger Umweltwärme, zum Beispiel Luft. Grafik: © Bundesverband Wärmepumpe

Für welche Heizsysteme entscheiden sich Deutschlands Bauherren? Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) reklamiert für 2018 erstmals auch bei allen neuen Gebäuden die Spitzenposition. Zukunft Erdgas aber auch. Beide berufen sich auf dieselbe Statistik. Und wie hintendran ist eigentlich die Heiz-Wende?

Die Wärmepumpe hat im vergangenen Jahr erstmals auch bei allen 145.000 neu genehmigten Gebäuden, nicht nur bei den Wohngebäuden, den größten Anteil an den Heizenergien erreicht – und überholte mit 37,6 Prozent Erdgas, für das sich 37,4 Prozent der Bauherren entschieden. Dies behauptete ihr Technologieverband BWP am Montag in einer Pressemitteilung. Er berief sich dabei aufs Statistische Bundesamt. Einige Tage zuvor sah es die Brancheninitiative "Zukunft Erdgas" so, dass ihr Brennstoff seine Spitzenposition im Neubau gehalten habe. Auch er verwandte die neuen Zahlen von Destatis. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären?

Irgendwie haben beide Verbände Recht, sie interpretieren die Statistik nur unterschiedlich: Der BWP rechnet alle Wärmepumpen-Technologien zusammen, Zukunft Erdgas dagegen unterteilt die Nutzung der Umweltwärme in elektrische Luft-Wärmepumpen (gerundet 31 Prozent) und elektrische Sole-Wärmepumpen, die Erdwärme verwenden (nach Rundung 6 Prozent) – eine Spielart der Geothermie. Und Gas hatte nun mal gerundet 37 Prozent. Und Fernwärme sowie Fernkälte 8 Prozent. Jeder zehnte Neubau braucht überhaupt keine Heizenergie mehr. Öl und Holz sind hier nur (noch) Nischenmärkte.

Skurril: Wenn man die nur 289 neuen Wohngebäude und 54 Nichtwohngebäude, die ausschließlich mit Biomethan geheizt werden, Erdgas zurechnen würde, erhöhte sich der Anteil von Gas von 37,426 auf 37,662 Prozent. Erdgas läge dann sowieso noch hauchdünn vor allen Wärmepumpen zusammengenommen, die genau 37,608 Prozent ausmachen. Der BWP spricht aber transparent von "fossilem Erdgas". Fossil ist Biomethan nun mal nicht, sondern regenerativ.

Die Wohngebäude

Von den 2018 genehmigten 118.000 Wohngebäuden wiederum haben 41 Prozent eine Erdgasheizung und 43,7 Prozent eine Wärmepumpe – oder eben 7,5 Prozent eine Erd-Wärmepumpe, während 36,2 Prozent per Wärmepumpe andere Umweltwärme nutzen, aus Wasser etwa, aber vor allem aus der Luft.

Wenig verwunderlich: Die beiden Vereine interpretieren die Zahlen nicht nur unterschiedlich, sie leiten auch unterschiedliche klimapolitische Forderungen davon ab:

Klimapolitische Forderungen

Timm Kehler, Vorstand von "Zukunft Erdgas", strich den Beitrag des fossilen Brennstoffs für eine "schnelle" Wärmewende "zum niedrigsten Preis" heraus. Brennstoffzellengeräte in Kraft-Wärme-Kopplung stießen gegenüber alten Gasbrennern nochmal knapp 70 Prozent weniger CO2 aus. Erdgas könne mit Beimischung aus den jährlich 10 TWh heimischen Biomethans sowie grünen Gasen etwa aus Power-to-Gas-Anlagen nahezu klimaneutral Wärme erzeugen. Zusammengenommen mit der energetischen Modernisierung, seien drei Viertel der 2018 installierten 732.000 Wärmeerzeugungsgeräte Gasheizungen gewesen, fügte Kehler hinzu. Er berief sich hierbei auf den Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH).

Dagegen betonte Martin Sabel, Geschäftsführer des BWP, fossile Energieträger verlören im Neubau "stetig" und "absehbar" an Bedeutung. Dies werde sich so fortsetzen. Sabel forderte daher einen "Technologiewechsel" im Heizungskeller und ein "ambitioniertes Gebäudeenergiegesetz" (GEG). Zudem müsse eine "Reform der Entgelt- und Abgabensystematik" auf den Strom, der auch die Wärmepumpen antreibt, die "zu hohe Belastung, insbesondere im Verhältnis zu Erdgas und Heizöl", beseitigen.

Millionen veraltete Heizungen

Einig sind sich Kehler und Sabel nur darin, dass "die eigentliche Herausforderung für die Wärmewende im Gebäudebestand liegt", wie es Sabel formulierte. Kehler zufolge sind knapp 13 Mio. Heizungen bundesweit veraltet. Er fordert ein Förderregime, das die Gebäudesanierung an der zu erzielenden CO2-Minderung ausrichtet. Dann würde der Heizungstausch zum "Selbstläufer".

Im Übrigen habe der Gebäudesektor als einziger Emittent mit 44 Prozent weniger Treibhausgas-Ausstoß als 1990 das nationale Klimaziel für 2020 bereits vorzeitig übererfüllt. Die Reduzierung um weitere 67 Prozent, wie sie das Bundesumweltministerium im Entwurf zum Klimaschutzgesetz als Ziel ausgibt, sei mit Gas ebenfalls zu erreichen. (geo)


Diese Meldung wurde am 22. Mai 2019 nach einem Hinweis von "Zukunft Erdgas" zum Biomethan-Anteil korrigiert und ergänzt. (geo)