Der geplante Fernwärmespeicher in Karlsruhe wird das Stadtbild im Osten der Stadt prägen.

Der geplante Fernwärmespeicher in Karlsruhe wird das Stadtbild im Osten der Stadt prägen.

Bild: © STUDIO SOZIA Calavetta Häberle Architekten BDA PartGmbB

Von Jürgen Walk

Fernwärme und erneuerbare Energien – da wächst zusammen, was zunächst einmal nicht wirklich gut zusammen passt. Die Wohnung oder der Arbeitsplatz sollen im Winter warm sein, auch und gerade wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Die Lösung sind Fernwärmespeicher, die seit einigen Jahren in wachsender Zahl gebaut werden. Jüngstes Projekt: Ein großer Wärmespeicher in Karlsruhe, der bis 2029 entstehen soll. 

Es ist ein markantes Infrastrukturprojekt: ein rund 40 Meter hoher Wärmespeicher mit etwa 20 Metern Durchmesser, der überschüssige Wärme aufnimmt und bei Bedarf in das Karlsruher Fernwärmenetz zurückspeist. Das Bauwerk soll die Flexibilität und Versorgungssicherheit des städtischen Fernwärmesystems deutlich erhöhen und gleichzeitig den klimafreundlichen Ausbau der Wärmenetze vorantreiben.

Stadtbildprägende Dimensionen

Mit diesen stadtbildprägenden Dimensionen ist das Karlsruher Projekt aber nicht einzigartig: Seit Frühjahr 2023 versorgt der Wärmespeicher Reuter West im Berliner Ortsteil Siemensstadt die Hauptstadt mit nachhaltiger Fernwärme. Mit einer Höhe von 45 Metern bei einem Durchmesser von 43 Metern ist er Deutschlands größter Wärmespeicher.

Wärmespeicher arbeiten nach dem einfachen, bewährten Prinzip eines Pufferspeichers, maßstabsgetreu hochskaliert. In Phasen geringer Energienachfrage oder hoher Erneuerbaren-Produktion wird Wasser wie mit einem Tauchsieder erhitzt und – im Fall von Karlsruhe mit einer Einspeicherleistung von rund 15 Megawatt – eingelagert. Wird die Fernwärme dann benötigt, kann das System bis zu 30 Megawatt wieder ins Netz einspeisen. 

Dadurch lassen sich vorhandene Wärme effizienter nutzen, Ersatzkapazitäten reduzieren und die Abhängigkeit von zusätzlichen Heizwerken verringern. Die Stadtwerke Karlsruhe haben sich nach eigenen Angaben bewusst gegen den Bau eines neuen Heizkraftwerks entschieden und setzen stattdessen auf Wärmespeicherung als klimafreundliche Alternative.

Der geplante Speicher in Karlsruhe ermöglicht beispielsweise auch eine bessere Nutzung von Abwärme aus der Raffinerie "MiRO" und von Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung. Durch diese Integration steigt die Systemeffizienz, und zugleich wird die Versorgung von rund 1500 Gebäuden in bislang weniger gut angebundenen östlichen Stadtteilen dauerhaft stabilisiert. Die Anlage ist als elementarer Baustein der lokalen Wärmewende positioniert und soll insbesondere den Ausbau der Fernwärme nach Durlach unterstützen.

Für das Projekt planen die Stadtwerke Karlsruhe einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, der neben dem Speichertank auch Nebenanlagen und die Netzverknüpfung umfasst. Rechtliche Voraussetzungen werden gegenwärtig geschaffen: Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan für das Gebiet Gottesaue/Ostpark wird erarbeitet und soll die baurechtliche Grundlage liefern. Nach Abschluss des Planverfahrens ist der Baubeginn für 2028 vorgesehen, die Inbetriebnahme ist zur Heizperiode 2029/2030 geplant. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hat das Vorhaben bereits genehmigt.

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