Die Deponieverbote in vielen Ländern führen zu einer guten Auslastung von Müllverbrennungsanlagen.
Bild: © Gudellaphoto/Adobe Stock

Müllverbrenner kommen gut durch die Krise

Der Geschäftsklimaindex, der die Lage der thermischen Abfallverwerter weltweit erfasst, ist zwar zurückgegangen, bleibt aber angesichts guter Rahmenbedingungen weiter hoch.

Das Geschäftsklima in der Waste-to-Energy(WtE)-Branche hat sich als Folge der Corona-Krise zwar deutlich verschlechtert, bleibt aber insgesamt gesehen recht gut. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die jährlich vom Beratungsunternehmen Ecoprog mit Unterstützung des Betreibers thermischer Abfallverwertungsanlagen CEWEP (Confederation of European Waste-to-Energy Plants) durchgeführt wird. Für die Studie wurden 2020 rund 500 Betreiber und mehr als 700 Anlagenbauer und Zulieferbetriebe der WtE-Branche weltweit befragt.

Das aktuelle Geschäftsklima bei den Betreibern von Waste-to-Energy(WtE)-Anlagen geht zwar um knapp 25 Punkte gegenüber dem Allzeithoch (122) des letzten Jahres zurück und ist die schlechteste Einschätzung seit 2014 (94). Aber die aktuelle Geschäftslage wird von den Betreibern thermischen Verwertungsanlagen durchaus positiv bewertet.

Auswirkungen von Corona

95 Prozent der Befragten schätzen die derzeitige Situation als gut oder befriedigend ein. 62 Prozent der Betreiber bezeichnen die Auslastung ihrer Anlagen als vergleichsweise hoch, nur drei Prozent als zu gering. Für die Umfrage in diesem Jahr wurden rund 500 Betreiber von thermischen Abfallverwertungsanlagen und mehr als 700 Anlagenbauer und Zulieferbetriebe der WtE-Branche weltweit befragt.

Die Abfallmengen blieben in der Corona-Krise stabil. Mehr als 50 Prozent aller Betreiber konnten keine wesentlichen Mengenveränderungen bei Siedlungs- und Gewerbeabfällen feststellen. Zwar berichten rund 30 Prozent von einem Rückgang des Gewerbeabfalls um bis zu zehn Prozent, gleichzeitig haben aber 39 Prozent eine Zunahme der Siedlungsabfälle in einem ähnlichen Verhältnis festgestellt.

Mehr medizinische Abfälle

Deutlich gestiegen ist die Bedeutung der thermischen Verwertung medizinischer Abfälle. 31 Prozent der Betreiber berichten über einen solchen Anstieg. Das waren fast die Hälfte aller Anlagen, die solche Abfälle entsprechend ihres Annahmekataloges behandeln dürfen.

Auch die WtE-Industrie bewertet die Lage vergleichsweise moderat. Das Geschäftsklima wird mit einem Saldo von +23,7 noch immer sehr positiv wahrgenommen, wenngleich es sich gegenüber dem Vorjahr (+47,2) spürbar verschlechtert hat. Bei letzterem Wert handelt es sich allerdings auch um das Allzeithoch dieser seit 2012 durchgeführten Erhebung.

Anlagen in Europa altern

Rund drei Viertel der Industrie berichten trotz Krise über einen ausreichenden oder sogar hohen Auftragsbestand. Rund 40 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten sogar eine steigende Nachfrage wahrgenommen, 32 Prozent berichten von gestiegenen Orders.

Diese Entwicklung spiegelt nach Ansicht des CEWEP den positiven Gesamtmarkt wider, wie er sich in den vergangenen Jahren dargestellt hat. Dieser war die Folge gestiegener Abfallmengen sowie der Einführung von Deponieverboten oder der Erhöhung von Deponieabgaben in unterschiedlichen Ländern der EU. Hinzu kommt eine zunehmende Modernisierung des inzwischen gealterten Anlagenbestands in Europa. All diese langfristig wirkenden positiven Marktfaktoren wurden durch die vergleichsweise kurze Zeit der Corona-Krise bisher nur bedingt beeinträchtigt. (hp)