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Berlin: Von der Müllstadt zur Zero-Waste-Stadt

Einwegbecher, Plastik- und Sperrmüll – Berlins Straßen sollen sauberer und die Müllverwertung effektiver werden. Die Grünen haben dazu den Leitantrag „Zero Waste“ beschlossen.

800 000 Tonnen Restmüll produzieren die Berliner jährlich. Pro Stunde werden in der Bundeshauptstadt 30 000 Plastiktüten und 20 000 Einweg-Becher verbraucht. „Das ist zu viel“, kritisieren Bündnis 90/Die Grünen auf ihrem Landesparteitag am vergangenen Samstag.

Damit sich das ändert, hat sich die rot-rot-grüne Regierung in Berlin ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Stadt an der Spree soll in den kommenden Jahren zur müllfrei werden. Angepackt wird gleich in mehreren Sektoren der kommunalen Wirtschaft und öffentlichen Vewaltung, aber auch die Berliner müssen ihren Teil zum „Zero-Waste“-Leitbild leisten.

Flächendeckende Biomülltonne kostenlos

Im Zeitraum von 2020 bis 2030 soll das Abfallwirtschaftskonzept neu organisiert werden. So soll die Abfallhierarchie konsequent in die Praxis umgesetzt werden und mehr recycelt und energetisch verwertet werden, statt den Müll überwiegend zu verbrennen. Damit jedoch erst gar nicht so viel Müll entsteht, wird eine großflächige Informationskampagne für die Bürgerinnen und Bürger gestartet. Sogar von einem „Zero Waste Haus“  ist die Rede: Dort könne sich jeder anschauliche Informationen rund um das Thema Müll und Klimaschutz holen. 

Zudem ist auch die konkrete Unterstützung für die Berliner beim Mülltrennen und Vermeiden geplant: Die flächendeckende Einführung einer kostenlosen Biomülltonne soll für weniger Restmüll sorgen. „Wir müssen den organischen Abfall endlich aus der Restmülltonne bekommen. Noch immer liegt der Anteil bei 40 Prozent. Das müssen und werden wir ändern“, erklärte Werner Graf, Landesvorsitzender der Grünen. Mehrkosten für eine entgeltfreie Biotonne würden auf die Restmüllentsorgung umgelegt, damit Mülltrennen keine Frage des Geldes mehr ist. In Zuge des neuen Konzepts ist auch der Ausbau der Vergärungstechnologie bei den Berliner Entsorgern geplant.

Zwei Mio. Euro für das Großprojekt

Zur Vermeidung von Einwegbechern und Plastikfalschen soll das Mehrwegbechersystem „Better World Cup“ ausgebaut und Trinkwasserspender an allen öffentlichen Liegenschaften installiert werden.

Da die Müllvermeidung schon beim Einkauf beginnt, wird auch der öffentliche Verwaltungsapparat dazu verpflichtet, Vorschriften für die ökologische Beschaffung verstärkt umzusetzen. Büromaterialen und Ausstattung sollen möglichst recyclingfreundlich und umweltschonend eingekauft werden. Insgesamt 1 Mio. Euro sehen die Grünen für die Anti-Müll-Kampagne vor, eine weitere Mio. ist für den Ausbau der öffentlichen Trinkwasserspender vorgesehen. (ls)