Umweltschützer und Verbände der Entsorgungswirtschaft sind überwiegend zufrieden mit der neuen EU-Richtlinie zum Verbot von Einweg-Plastikprodukten.
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Reaktionen: EU-Plastikrichtlinie schwächelt auf den zweiten Blick

In Brüssel herrscht Einigkeit über die Richtlinie zur Reduzierung von Plastikmüll. Umwelt- und Branchenverbände reagieren gemischt auf den Beschluss.

Die Verhandlungen zwischen der EU-Kommission, dem Europaparlament und dem EU-Rat sind abgeschlossen, nun melden sich Praxisexperten und Umweltschützer zu Wort. Grundsätzlich begrüßen Fachleute und Branchenexperten die Entscheidung aus Brüssel, Einweg-Produkte nach und nach aus dem Regalen zu verbannen. VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp bezeichnete den "tagtäglichen Plastikkonsum" als "ökologischen Irrsinn" und die Plastikrichtlinie als wichtigen Schritt, um einer Entwicklung entgegen zu wirken, die völlig aus dem Ruder gelaufen sei.

Ab Frühjahr 2021 sind Wattestäbchen, Plastikteller- und Besteck sowie Strohhalme und Rührstäbchen verboten. Aus Sicht des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser-, und Rohstoffwirtschaft (BDE) ist der Beschluss der Trilogverhandlungen zum Einsatz von Rezyklaten allerdings noch wichtiger für den Umweltschutz. In den kommenden sechs Jahren soll der recycelte Kunststoffanteil von PET-Einwegflaschen auf 25 Prozent steigen. Bis 2030 soll er in allen Getränkebehältern auf 30 Prozent angehoben werden. "Mit der Festlegung eines Mindestanteils an Rezyklaten bei neuen Produkten kann die Nachfrage nach Recyclingrohstoffen gesteigert werden und dadurch ein Markt für Rezyklate entstehen", erklärte BDE-Präsident Peter Kurth.

Tempo ist möglich und nötig

Der NABU betonte die Signalwirkung der Richtlinie: "Mit der Entscheidung zeigen Kommission, Parlament und Rat, dass sie mit politischem Willen in wenigen Monaten wirkungsvolle Maßnahmen für den Schutz der Umwelt verabschieden können – auch gegen die Lobbyinteressen der Industrie. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Einweg-Plastikflut zu stoppen", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Allerdings verweisen die Naturschützer auch auf Schwächen des Beschlusses.

Verbindliche Reduktionsziele für To-Go-Verpackungen und Einweg-Becher, die das EU-Parlament gefordert hatte, sucht man vergeblich. Problematisch, findet der Nabu – immerhin machen Kaffeebecher und Co. rund 350.000 Tonnen des jährlichen Abfallaufkommens aus. Der Bund plädiert an die Mitgliedsstaaten, die Vorgabe engagiert umzusetzen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Wichtig sei dabei nicht von Kunststoff-Einweg auf andere Einmal-Materialien umzusteigen, sondern auf Mehrweg zu setzen. (ls)