Antriebe: Remondis sieht CNG als Einstieg für den Ausstieg

Der Fahrzeughersteller Faun hat ein Fahrzeug mit großer Batterie und einer Brennstoffzelle konzipiert. Bild: @ Leßner

Volvo hat ein batteriebetriebenes Entsorgungsfahrzeug entwickelt. Es kommt bei der Stadtreinigung Hamburg zum Einsatz. Bild: @ Leßner

Podiumsdiskussion beim Stand von Iveco während der IFAT 2018 (v.l.): Ein Vertreter von Iveco, Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Erdgas, und Lars Nehrling, Leiter Public Affairs für Nordrhein-Westfalen bei Remondis. Bild: @ Leßner

Aufgrund des Leipziger Urteils mit der Gewährung von Einfahrverboten für Dieselfahrzeugen konkretisiert die Entsorgungsbranche ihre Pläne zum Ausstieg aus der Dieseltechnik. Das Motto lautet: Alles ist möglich. Faun liefert dabei einen interessanten Ansatz.

Alternative Antriebe waren bei der Weltleitmesse für Umwelttechnologien, IFAT, in München ein großes Thema bei Fahrzeugherstellern und Branchenexperten. Wobei je nach Unternehmen unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden.

Remondis, größter Entsorger Deutschlands, ließ bei einer Podiumsdiskussion beim Lastwagenhersteller Iveco einen Einblick in seine Zukunftsstrategie zu: Das Unternehmen hat derzeit rund 8000 dieselbetriebene Fahrzeuge im Einsatz. Angesichts drohender Einfahrverbote für Euro-5-Diesel- und älteren Lastwagen ab dem 1. September 2019 müsse das Unternehmen handeln, sagte Lars Nehrling, Leiter Public Affairs für Nordrhein-Westfalen bei Remondis.

CNG-Lastwagen sind der erste Schritt

Ein erster Schritt sei die Umstellung auf CNG(Compressed Natural Gas, Erdgas)-Fahrzeuge. Hierzu habe das Unternehmen ein Pilotprojekt aufs Gleis gesetzt. In den Städten Pulheim und Erftstadt will Remondis seine Flotte auf CNG-Fahrzeuge umstellen – und zwar in klimaneutraler Manier. Biomethan soll der Treibstoff werden. Sechs Fahrzeuge vom Modell Stralis NP habe Remondis bereits beim Lkw-Hersteller Iveco in Auftrag gegeben.

Das Problem bisher: Es gibt zu wenige Tankstellen für CNG-Lastwagen. Von den rund 900 CNG-Tanktellen in Deutschland gebe es gerade 86, die für die Betankung von Lastwagen ausgebaut sind. In der Region um Erftstadt gebe es gerade eine CNG-Tankstelle, in Hürth. In enger Zusammenarbeit mit der Marketingplattform Zukunft Erdgas errichten die Gasversorgungsgesellschaft mbH Rhein-Erft (GVG) und Remondis nun in Hürth bei Köln eine neue Erdgastanksäule. Sie wird die bestehende Erdgastankstelle der GVG erweitern. Spätestens ab Juli sollen Fahrzeuge der Abfallwirtschaft dort klimaneutrales Biomethan tanken können.

Geringere Emissionen

Nicht nur in Hürth setzt Remondis auf Erdgas. Schrittweise sollen im gesamten Bundesgebiet Müllsammelfahrzeuge auf Erdgasantrieb umgerüstet werden. Die Vorteile zählt Nehrling auf: „Sie emittieren kaum Feinstaub und rund ein Viertel weniger Stickoxide und CO2. Zudem mindern sie die Lärmbelastung um 50 Prozent.“ Die neue Biomethan-Tanksäule solle der Politik und der Branche zeigen, dass Müllentsorgung auch nahezu klimaneutral möglich sei.

Biomethan sei aber nur ein Standbein der Zukunftsstrategie, so Nehrling. Auch LNG-, E- und Brennstoffzellen-Lastwagen können künftig im Fuhrpark eingesetzt werden. Von den 8000 Fahrzeugen können in der Endstufe rund 2000 mit Biomethan fahren.

Faun setzt auf Batterien mit Brennstoffzelle

Einen anderen Ansatz wählte das zur Kirchhoff-Gruppe zählende Unternehmen Faun. In zweijähriger Entwicklungsarbeit baute der Fahrzeugbauunternehmen eine Art Hybridfahrzeug mit E-Antrieb auf: Basis ist ein 85 kWh starker Batteriepack, der durch eine Brennstoffzelle mit 30 kW als Range Extender ergänzt wird. Als Chassis nutzte Faun ein Fahrwerk von Mercedes-Benz. Der Antriebsstrang wurde komplett selbst von Faun entwickelt. „Wir setzen perspektivisch auf Wasserstoff und Brennstoffzelle“, erklärte Johannes Kirchhoff, Managing Partner der Kirchhoff-Gruppe bei einem Pressegespräch.

Der Grund ist einfach: Wenn man die Alternativen bei den Antrieben vergleicht, also Designer-Kraftstoffe, Batterien oder Brennstoffzelle, so schneidet eine mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle einfach auf lange Sicht am besten ab. Bio- oder Designer-Kraftstoffe benötigen zu viel Fläche oder haben zu hohe Wirkungsgradverluste. Batterien sind in der Herstellung zu teuer; zudem benötigt man für die Herstellung viele besondere Materialien wie Seltene Erden, die alle fest in der Hand von China seien. Einzig und allein die Brennstoffzelle sei auf die Dauer von Jahrzehnten – mit inkludierten Skaleneffekten – die Technologie mit den niedrigsten Grenzkosten. Am teuersten bei der Brennstoffzellentechnologie sei derzeit noch die Membran, doch beim Hochfahren der Produktion werde die Preise aufgrund von Skaleneffekten sinken. Auf einen Zeithorizont von 20 Jahren werde eine Brennstoffzelle mit 30 kW Leistung rund 2500 Euro kosten, in etwa so viel wie derzeit ein VW-Polo-Motor, erklärte Kirchhoff. Und bei der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Ansatz finde man einfach einen "100-Prozent-Kreislauf" vor, betonte Kirchhoff.

Mit Rotopress-Aufbau

Das Entsorgungsfahrzeug ist nun mit einem Rotopress-Aufbau bestückt, der ebenfalls vollelektrisch funktioniert. Vor dem Einsatz des Fahrzeugs sondiert Faun das Einsatzgebiet nach Topographie-Besonderheiten und Fahrwegen. Entsprechend dieser Parameter wird das Antriebskonzept festgelegt: mehr Batteriespeicher oder eine zweite oder gar eine dritte Brennstoffzelle. Damit das Fahrzeug optimal an das Aufgabengebiet eingestellt ist. Generell benötigt der Aufbau etwa ein Drittel und der Antrieb zwei Drittel des Stromes.   

Ein anderes Konzept wählte Volvo: Der Nutzfahrzeughersteller, Tochter des chinesischen Fahrzeugkonzerns Geely, hat einen ersten vollelektrischen Lastwagen vom Typ FE vorgestellt. Er ist für schwere Verteileraufgaben und die Abfallentsorgung in Städten entwickelt. Das erste Fahrzeug wird bei der Stadtreinigung Hamburg Ende des Jahres in Betrieb gehen. Mitte 2019 soll die Serienproduktion beginnen.

Volvo setzt auf Batterien

Schon kürzlich hatte Volvo einen vollelektrischen Lastwagen vom Typ FL vorgestellt, der für den mittelschweren Verteilerverkehr konzipiert wurde. Der schwedische Hersteller hat insgesamt zwei E-Antrieb-Varianten entwickelt: eine mit einer Leistung von 185 kW, die im FL verbaut ist und eine mit 370 kW, die die FE-Fahrzeuge antreibt. Die FE-Variante kann nun mit unterschiedlich vielen Batteriepacks bestückt werden - je nach Kundenanforderung. Ein Batteriepaket aus gekühlten Lithium-Ionen-Batterien wiegt 520 Kilogramm. In dem Fahrzeug, das bei der IFAT am Freigelände umherfuhr, wurden zwei Pakete verbaut. Der Lastwagen für die Stadtreinigung Hamburg soll mit vier Paketen ausgestattet werden und eine Bestückung mit sechs Paketen ist ebenfalls möglich. Ein Batterieblock entspricht vom Energieinhalt etwa 12,5 Litern Diesel. Die Reichweite des Fahrzeugs liegt bei 80 bis etwa 250 Kilometern, je nach Batterieausstattung.

Die Beladung der Batterien kann nun über eine Wechselstromladeinfrastruktur von rund 22 kW Leistung erfolgen – also über Nacht – oder über eine Gleichstrombetankung von 150 kW Leistung. Die schnelle Beladung dauert nur etwa 1,5 Stunden.

Einsatz in Hamburg

Für das Fahrzeug der Hamburger Stadtreinigung hat der Fahrzeughersteller Faun einen ebenfalls elektrisch betriebenen Aufbau beigesteuert. Dieses Fahrzeug wird eine Reichweite von etwa 100 Kilometern haben, hieß es bei Volvo. Die Nutzlast wird rund elf Tonnen betragen. Damit werde sie in etwa auf dem gleichen Niveau wie beim Diesel-Fahrzeug liegen. Schließlich wiegen zwar die Batterien schwerer, doch der Antrieb als auch der Aufbau sind bei der E-Variante leichter.

Volvo hat bereits große Kompetenz auf dem Gebiet der Elektroantriebe aufgebaut, da Volvo Busses schon seit 2010 mit solchen Antrieben arbeitet. Ferner zeigte der schwedische Hersteller auf der Messe FM- und FH-Modelle für den Schwerlastverkehr, die mit LNG betrieben werden. Während andere Hersteller auf Motoren nach dem Otto-Prinzip setzen, bevorzugt Volvo Trucks Motoren, die nach dem Diesel-Prinzip arbeiten. Dadurch liege der Kraftstoffverbrauch um 15 bis 20 Prozent unter den Werten von Gasmotoren mit Otto-Prinzip. Für die Entsorgungsbranche präsentierte Volvo auch eine CNG-Variante. (al)