Rückwärtsfahren nur als letzter Ausweg

Entsorgungsbetriebe müssen künftig alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit Müllfahrzeuge nicht rückwärts fahren müssen.

Das umstrittene Rückwärtsfahren von Müllfahrzeugen bleibt erlaubt, aber nur als Ultima Ratio. Das sieht die novellierte Branchenregel „Abfallsammlung“ vor, die vorgestern vom Grundsatzausschuss Prävention der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) beschlossen wurde. Sie beruht auf einem Konsens aus Unfallversicherung, den Entsorgerverbänden VKU, EdDE und BDE sowie der Gewerkschaft Verdi.

Demgemäß sind zunächst alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen, das Rückwärtsfahren zu vermeiden. Hierzu zählen auch bauliche Veränderungen an den Abfallsammelstellen oder geänderte Verkehrsführung. Wenn das Rückwärtsfahren dann immer noch alternativlos erscheint, ist in einer Gefährdungsbeurteilung festzulegen, wie sich gefahrlos rückwärts fahren lässt. Unter anderem muss der Unternehmer darin festlegen, über welche Kenntnisse Personen verfügen müssen, die den Fahrer beim Rückwärtsfahren einweisen.

„Klar ist aber, dass es auch in Zukunft Situationen geben kann, in denen das Rückwärtsfahren einfach zu gefährlich ist“, erklärt Dirk Füting, Leiter des Sachgebiets Abfallwirtschaft bei der DGUV. „Wir appellieren daher insbesondere an die Stadtplaner, die Bedürfnisse der Entsorger zu berücksichtigen, wenn sie die Verkehrswege planen.“

Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), und Andreas Thürmer, Vorstandsvorsitzender der Entsorgergemeinschaft der Deutschen Entsorgungswirtschaft, und Peter Kurth, BDE-Präsident, lobten die Neuregelung als "guten Kompromiss zwischen Verkehrssicherheit und Bürgerfreundlichkeit“.

In der Vergangenheit war es zu schweren Unfällen von Einweisern, aber auch von unbeteiligten Dritten gekommen, weil der Fahrer den rückwärtigen Raum nicht ganz im Blick hat. Künftig können Entsorger auch mit Fahrerassistenzsystemen auf  Einweiser verzichten, wenn damit sicher eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen wird. (geo)