Die DUH kritisiert das enorme Verpackungsmüllaufkommen durch Kaffeekapseln: Biologisch abbaubare und recycelbare Kapseln sind eine Mär.
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DUH: Kleine Kaffeekapseln, große Müllberge

Die DUH kritisiert: Biologisch abbaubare Kaffeekapseln sind nichts als ein Marketingversprechen und Aluminiumkapseln machen Probleme beim Recycling.

„Greenwashing“ unterstellt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Nestlé und anderen Kaffeekapselherstellern: Labels wie „ökologisch“ oder „biologisch abbaubar“ erleichtern zwar das Kundengewissen, aber der Umwelt nutzen vermeintlich abbaubare Kapseln nichts. Ähnlich problematisch sind recycelbare Aluminiumkapseln, die in der Entsorgungspraxis falsch sortiert werden. So sorgen 3,1 Milliarden Kaffeekapseln jährlich für  8 000 Tonnen Abfall aus Kunststoff und Aluminium.

Auf 6,5 Gramm Kaffee in einer Kapsel kommen rund vier Gramm Verpackung aus Aluminium oder Kunststoff und Papier. Sollte Deutschland nicht schnell weniger Plastikmüll produzieren, droht das Land in den Müllbergen zu versinken. Schließlich fällt auch der Müllexport nach China seit Ende vergangenen Jahres weg, denn die Volksrepublik stoppte die Einfuhr von Plastikmüll aus dem Ausland. Die DUH fordert deshalb auf Mehrwegverpackungen, wie Edelstahlkapseln zu setzten oder schlichtweg wieder Maschinen- oder Filterkaffee zu genießen.

Biologisch abbaubare Kapseln nichts als ein Marketingmärchen

Besonders kritisch sieht die DUH die „biologisch abbaubaren Kapseln“: „Es ist schlichtweg nicht wahr, wenn behauptet wird, Kaffeekapseln seien wegen deren biologischer Abbaubarkeit umweltfreundlich. Für deren Herstellung müssen zumeist Nutzpflanzen angebaut werden und der schnelle biologische Abbau funktioniert meist nur unter labortechnischen Bedingungen, aber nicht in der Umwelt. Biologisch abbaubare Kaffeekapseln verändern nichts an einem unnötigen, abfallintensiven und klimabelastenden Verpackungssystem“, erklärt Thomas Fischer, Leiter der DUH-Kreislaufwirtschaft.

Darüber hinaus gebe es Probleme bei der Kompostierung von abbaubaren Kapseln. Entsorger könnten nicht erkennen, ob es sich um normales Plastik oder Biokunststoff handelt und würden Störstoffe meist von vornherein aussortieren, um diese anschließend in Verbrennungsanlangen entsorgen zu lassen.

Der Mythos vom Alukapsel-Recycling

Ähnlich ist das Problem bei Aluminiumkapseln und deren Entsorgung über Duale Systeme gelagert. So werden Alukapseln bei der Entsorgung über den Gelben Sack immer wieder nicht korrekt sortiert und landen in der Verbrennung. Aufgrund vieler Verunreinigungen in der Aluminiumfraktion (u.a. Kaffeesatz, Lacke, Restinhalte, Fehlsortierungen, Verbundmaterialien) wird diese üblicherweise mit einer Pyrolyse vorbehandelt. Dabei werden die organischen Anteile verbrannt, bzw. verschwelt, da sie andernfalls beim nachfolgenden Schmelzprozess stören würden. Dieser Arbeitsschritt sorgt für deutliche Materialverluste des Wertstoffs. Außerdem würden, laut DUH, für die Herstellung von Alukapseln keine alten Kapseln verwertet werden. Der Recyclingkreislauf sei an dieser Stelle ein Mythos. (ls)