Die europäischen Gesetzgeber haben sich auf zentrale Punkte zum Kreislaufwirtschaftsgesetz verständigt. Bild: Peter von Bechen / pixelio.de

Kein "Zuschustern" der Verbrennungsanlagen

BVSE-Vizepräsident Herbert Snell fordert eine grundlegende Änderung der politischen Rahmenbedingungen für das Kunststoffrecycling.

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (BVSE) ist nicht zufrieden mit der aktuellen Situation des Kunststoffrecyclings. Zum 16. Internationalen Altkunststofftag in Bad Neuenahr forderte BVSE-Vizepräsident Herbert Snell grundlegende Änderungen. Drei zentrale Bausteine bräuchten eine neue Strategie: 1. Die neue Gewerbeabfallverordnung müsse einen klaren Vorrang des Recyclings vor der Verbrennung beinhalten. 2. Ein striktes Vorbehandlungsgebot sei zu etablieren. 3. Deutlich höhere Kunststoffrecyclingquoten seien über alle Produktgruppen hinweg anzustreben.

Hintergrund der Initiative ist eine Consultic-Studie. Diese dokumentiere, dass die Verbrennungsanteile seit Jahren auf Kosten des Kunststoffrecyclings stetig steigen. Doch anstatt hier energisch gegenzusteuern, werde versucht, den meist kommunalen Verbrennungsanlagen, Kunststoffe weiter als Brennmaterial „zuzuschustern”.

Zu den vorhandenen Überkapazitäten der meist kommunalen Müllverbrennungsanlagen, kämen noch technisch vergleichbare Ersatzbrennstoff- oder Sekundärbrennstoffkraftwerke hinzu, die zu dieser Fehlentwicklung ebenso beitrügen. Wegen dieser Überkapazitäten befänden sich die Verbrennungspreise im Keller. Auf den Spotmärkten würden teilweise kaum mehr als 30 €/t für die Verbrennung verlangt. Bei diesen Niedrigstpreisen lohne sich eine Sortierung, Vorbehandlung und das anschließende Recycling aber nicht mehr. Folge sei, dass immer mehr Kunststoffe in der Verbrennung und nicht in den Recyclinganlagen landeten.

Besonders betroffen seien die Mischkunststofffraktionen. Obwohl in den letzten Jahren hier technisch enorme Fortschritte hinsichtlich der Aufbereitung, des Recyclings und der Anwendungsbereiche im Produktbereich gemacht worden sind, litten die Recyclinganlagen unter dieser künstlich verzerrten Wettbewerbssituation.

Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen müsse daher auch bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen „der Hebel schleunigst umgelegt werden”, forderte Herbert Snell. (msz)