Trübe Brühe: Klärschlamm ist ein Abfallprodukt der Abwasserreinigung. Bild: © Mondzart-Hohenlohe/pixelio.de

Hamburg nimmt Schleswig-Holstein Klärschlamm ab

Eine wichtige Entsorgungs-Frage ist in Schleswig-Holstein geklärt worden. Ab 2027 wird der Klärschlamm aus Südholstein und Lübeck in einer Anlage von Hamburg Wasser verwertet.

Der Klärschlamm aus Lübeck, dem Kreis Pinneberg sowie aus Teilen der Kreise Steinburg und Segeberg geht von 2027 an zur Weiterverwertung nach Hamburg. Darauf haben sich die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL), der Abwasser-Zweckverband (AZV) und Hamburg Wasser nach deren Angaben vom Freitag in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag geeinigt.

Hamburg Wasser verpflichte sich, den Partnern ausreichend Kapazität in einer dann gemeinsam genutzten Verwertungsanlage für Rückstände aus der Abwasserbehandlung zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug könne Hamburg Wasser mit garantierten Klärschlammmengen aus der Metropolregion rechnen, hieß es. Das Unternehmen wird künftig nach eigenen Angaben jährlich 50.000 Tonnen entwässerten Klärschlamm aus Südholstein beziehen und 25.000 Tonnen aus Lübeck.

In Norddeutschland entstehen Schlammlagerplätze

Der Lübecker Klärschlamm wird zurzeit überwiegend landwirtschaftlich verwertet. Die Kapazitäten in den Schlammverbrennungsanlagen sind deutschlandweit erschöpft und vor allem in Norddeutschland müssen große Schlammlagerplätze geschaffen werden, um die Kläranlagen zu entlasten. Ursache hierfür sei, dass die neue Düngeverordnung von 2017 deutlich weniger Raum für die landwirtschaftliche Verwertung zulasse und die Nachfrage nach Verbrennungskapazitäten rasant gestiegen sei.

"Weil durch die Einbringung des Klärschlamms auf Ackerböden auch Schadstoffe ins Grundwasser gelangen können, hat der Gesetzgeber 2017 weiterhin beschlossen, dass große Kläranlagen ab 2029 generell keinen Klärschlamm mehr als Dünger abgeben dürfen", heißt es.

Die Klärschlammverwertungsanlage Vera auf dem Gelände des Klärwerks Köhlbrandhöft in Hamburg verbrennt in drei Kesseln teilgetrockneten Klärschlamm aus der Abwasserbehandlung. Der in der Verbrennung entstehende Dampf treibt einen Stromgenerator an, um die Elektrizität zur Eigennutzung der Verwertungsanlage und des Klärwerkes zu schaffen.

Hinsen: Es war ein langer Weg

Ludger Hinsen, Lübecks Senator für Umwelt, Sicherheit und Ordnung: "Es war ein langer Weg. Regionale Zusammenarbeit stärkt kommunale Unternehmen. Der Vertrag bietet uns eine lange Entsorgungssicherheit unter marktgerechten und wirtschaftlichen Bedingungen." Christine Mesek, Verbandsvorsteherin des AZV Südholstein: "Mit dieser Kooperation sind die Ziele, die wir seit einigen Jahren gemeinsam mit den EBL verfolgen, erreicht: Der Vertrag trägt nicht nur zur Gebührenstabilität, sondern auch zur Energie- und Ressourceneffizienz bei."

Ingo Hannemann, Technischer Geschäftsführer von Hamburg Wasser: "Mit unserer Verwertungsanlage Vera bieten wir unseren Partnern eine effiziente Entsorgung. Dabei orientieren wir uns am Kreislaufgedanken und gewinnen aus dem eigentlichen Abfallprodukt Klärschlamm Strom, Wärme und künftig den lebenswichtigen Rohstoff Phosphor.“ (dpa/al)