Firmensitz des Entsorgers "Remondis" in Lünen
Bild: © Marcel Kusch/dpa

Kartellamt schiebt Übernahme des Grünen Punktes Riegel vor

Die Entsorgungswirtschaft kann vorerst aufatmen: Es scheint so, als wolle das Bundeskartellamt der Fusion der Giganten nicht zustimmen.

Die umstrittene Übernahme des Grünen Punktes ist sehr wahrscheinlich vom Tisch. Das Bundeskartellamt teilte am Montag mit, dass es den Kauf durch den Abfallriesen Remondis untersagen wolle. Remondis und die Firma Duales System Deutschland als Markenrecht-Inhaber des Recyclingzeichens Grüner Punkt haben nun zwei Wochen Zeit zu Stellungnahmen. Mitte Mai dürfte das Kartellamt dann seine finale Entscheidung bekanntgeben.

«Nach vorläufiger Bewertung würde die Übernahme von DSD durch Remondis zu einer Behinderung des Wettbewerbs bei den dualen Systemen in Deutschland führen», erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. «Zu befürchten wären höhere Kosten für DSD-Wettbewerber, erhebliche Marktanteilsgewinne von DSD und letztlich höhere Preise auf dem Markt für duale Systeme.»

Hochzeit der Giganten

Bisher ist eine britische Investorengruppe Eigentümer. DSD organisiert die Abholung, Sortierung und Verwertung von Abfall in Deutschland und vergibt dabei unter anderem Aufträge an Remondis. Die Einrichtung hat eine Schlüsselrolle in der Abfallwirtschaft. Früher war DSD mit dem Grünen Punkt Monopolist, auf Intervention der EU-Kommission entstanden nach der Jahrtausendwende aber auch Wettbewerber. Obwohl DSD mit dem Grünen Punkt in den vergangenen Jahren Markteinteile eingebüßt hat, hat die Firma weiterhin eine starke Stellung im Wettbewerb.

Remondis wiederum ist mit großem Abstand die Nummer eins unter Deutschlands Müllkonzernen. 2017 kam das Familienunternehmen auf einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro. Die Nummer zwei auf dem deutschen Markt, Alba, kam in dem Jahr auf 1,7 Milliarden Euro Umsatz. Im Gegensatz zu Alba hat Branchenprimus Remondis noch kein eigenes duales System.

Branche begrüßt Pläne der Bundesbehörde

Remondis und DSD teilten am Montag mit, man werde den Entscheidungsentwurf des Kartellamts prüfen und dann Stellung nehmen. Wettbewerber dagegen hielten mit ihrer Freude nicht hinter dem Berg. Sie waren Sturm gelaufen gegen die geplante Übernahme aus Furcht vor einer weiteren Marktkonzentration. Mit der beabsichtigten Untersagung bestätige das Kartellamt die gravierenden Bedenken, sagte Eric Rehbock vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse). Die Marktmacht von Remondis sei «erdrückend». Patrick Hasenkamp, VKU-Vizepräsident sagte: «Wir sind sehr erfreut, dass die obersten Kartellwächter der Republik eine so klare Weichenstellung ankündigen.» (dpa/ls)