Kassel geht nun schärfer gegen Müll-Sünder vor.
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Kassel: Rote Karte für Biomüll-Sünder

Die Stadtreiniger von Kassel kontrollieren nun verschärfter die Bio-Tonnen. Jenen, die nicht genügend auf die Mülltrennung achten, droht eine kostenpflichtige Umstellung.

Wer seine Biotonne falsch befüllt, bekommt in Kassel nun die Rote Karte. Dort kennzeichnen die Stadtreiniger seit Monaten Behälter, in denen statt Bioabfällen auch Glas, Plastik und andere Fremdstoffe gefunden werden. "Seit den Sommerferien kleben wir gelb, jetzt kommt der rote Aufkleber und die Tonne bleibt ungeleert stehen", sagte Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger. Bei drei Verstößen komme es zum Entzug der Biotonne – als Ersatz gibt es eine kostenpflichtige zusätzliche Restmülltonne.

Damit verschärft die nordhessische Stadt ihren Kampf gegen Abfallsünder. Man wolle niemanden bestrafen, betonte Knebel, sondern die Bürger mitnehmen. Seit über einem Jahr läuft in Kassel eine Informationskampagne. Doch da die Grenzwerte für Störstoffe in Bioabfall 2018 verschärft wurden und Müllsünder weiter mit ihrem Verhalten den gesamten Bioabfall gefährdeten, gehe es nicht anders.

Mehrere hundert Tonnen werden verbrannt

Pro Jahr landen in Kassel 500 bis 600 Tonnen organischer Abfall, der kompostiert eigentlich ein wertvoller Dünger für Äcker und Gärten wäre, wegen Verunreinigungen in der Müllverbrennungsanlage, sagte Dirk Lange, Betriebsleiter von den Stadtreinigern der "HNA" (Hessische/Niedersächsische Allgemeine). Ganz abgesehen vom ökologischen Aspekt bedeute das auch höhere Kosten sowie Einnahmeausfälle für die Stadtreiniger.

Das Problem sei quer durchs Stadtgebiet überall dort festzustellen, wo es große Wohngebäude mit vielen Parteien gibt. "Das hat etwas mit Anonymität zu tun", sagte Lange. Die Kasseler Stadtreiniger würden jedes Jahr rund 11.000 Tonnen organischen Abfall über die Biotonnen einsammeln, das seien etwa 40 Gewichtsprozent des gesamten Müllaufkommens in der Stadt.

Ein Stoff besonders problematisch

Kassel steht mit dem Problem nicht allein da. Vor allem Plastik in Biotonnen gilt als Problem. Das auch in Hessen aktive Entsorgungsunternehmen Veolia beispielsweise registriert einen Anstieg der Siebrestquote – der aussortierten Fremdstoffe – von elf Prozent im Jahr 2013 auf inzwischen 19 Prozent. Das sei auch auf Fremdstoffe im Biomüll zurückzuführen.

Umweltschützer sehen die Entwicklung mit Sorge: Laut dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) landen zu viele falsche Stoffe in den Biotonnen und da Biomüll zu Kompost wird landen Plastikteile so in landwirtschaftlich genutzten Böden oder Gartenflächen. (dpa/ab)