Nach tagelangen Gerüchten, ist es nun raus: Der Grüne Punkt geht vollständig in Remondis auf.
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Remondis & Grüner Punkt: Hochzeit der Giganten ist offiziell

Die Gerüchte der vergangenen Tage bewahrheiten sich nun – Remondis kauft Deutschlands größtes Duales System. Nur das Kartellamt muss noch zustimmen.

Nach vier Jahren Pause wagt Remondis den Wiedereinstieg in das Geschäft mit den Verpackungslizenzierungen. Der Entsorgungskonzern aus Lünen erwirbt zu 100 Prozent die Anteile des Grünen Punktes. Um den Deal perfekt zu machen, fehlt allerdings noch die kartellrechtliche Genehmigung.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) sieht diese Entwicklung kritisch. „Wenn sich nun Remondis und DSD zusammenschlössen, könnten sich die beiden Unternehmen gegenseitig mit maßgeschneiderten Angeboten versorgen und damit auch den Preis für die Verpackungsentsorgung beeinflussen", erklärte VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp. Dieser Entwicklung müsse entgegengewirkt werden.

28,5 Prozent Marktanteil für den Wiedereinsteiger

Remondis verspricht sich als künftiger Systembetreiber eine „Stärkung des Verpackungsrecyclings vor dem Hintergrund des neuen Verpackungsgesetzes, das ab 1. Januar 2019 in Kraft tritt. Der Branchenriese aus Nordrhein-Westfalen ist kein Unbekannter unter den neun Dualen Systemen – bis 2014 firmierten die Lünener unter „EKO-Punkt“ in der Lizenzierungsbranche.

Nachdem die Dualen Systeme jedoch immer wieder mit Ungereimtheiten bei den Mengenangaben der verwerteten Verpackungen im Vergleich zu den lizenzierten Verpackungen zu kämpfen haben, kehrte Remondis im Krisenjahr zu seinem Kerngeschäft zurück. Da mit dem neuen Verpackungsgesetz auch eine Zentrale Stelle geschaffen werden soll, die alle Verkaufsverpackungen auf dem deutschen Markt erfassen soll, ergreift der Konzern aus NRW nun die Chance eines Comebacks.

Remondis als alleiniger Anteilseigner

„Die Verbesserung der Rahmenbedingungen ermöglicht es Remondis, mit anderen Wettbewerbern in diesem Markt gleich zu ziehen und Wachstumsmöglichkeiten im internationalen Bereich zu nutzen“, erklärt Ludger Rethmann, Vorstandsvorsitzender in Lünen. Der Grüne Punkt ist mit 28,5 Prozent Marktanteil und 490 Mio. Euro Gesamtumsatz der größte Systembetreiber hierzulande. Mit einem Jahresergebnis von  3,6 Mio. Euro liegt das Unternehmen jedoch weit hinter dem Niveau von mittelständischen Betrieben in der Entsorgungsbranche (Berliner Stadtreinigungsbetriebe: 54 Mio. Euro, Stadtreinigung Hamburg: 16 Mio. Euro).

Sollte das Kartellamt seine Zustimmung geben, würde Remondnis alleiniger Anteilseigner werden. Noch werden 80 Prozent der Anteile von den Finanzinvestoren HIG und Blue Bay gehalten. Die restlichen 20 Prozent hält Michael Wiener als Vorsitzender der Geschäftsführung. (ls)