Seitdem Plastiktüten Geld kosten, finden sich immer weniger der Tüten in der Landschaft. Bild: © Uschi Dreiucker/pixelio.de

Verpackungsmenge wird weiter zunehmen

Gerade durch Trends wie Online-Handel und größere Hygiene wird eher mehr denn weniger Verpackung benötigt, befindet das Deutsche Verpackungsinstitut. Nur in einem Segment findet man eine Reduktion: bei Plastiktüten.

Das Thema Nachhaltigkeit wird im Handel in Zukunft eine größere Rolle spielen. Dies befindet Thomas Reiner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verpackungsinstituts (DVI), eines gemeinnützigen Vereins, der sich für die Entwicklung der Verpackungswirtschaft engagiert. Er unterlegte dies mit Daten einer Umfrage, die TNS Infratest im Auftrag des Deutschen Verpackungsinstituts unter 1015 Deutschen anlässlich des heute stattfindenden Deutschen Verpackungskongresses durchführte. 68,2 Prozent der Befragten geben an, dass sie bewusster kaufen und konsumieren. Diese Quote liege dabei in allen Altersgruppen über 60 Prozent. Ferner gaben 64,1 Prozent der Befragten an, Verluste zu vermeiden und weniger wegzuwerfen. Dennoch: Eine starke Reduktion des Konsums wird es nicht geben. Nur rund ein Viertel der Bürger kaufen und konsumieren grundsätzlich weniger (25,7 Prozent).

Generell werde sich das Maß der Verpackung nicht reduzieren, befindet Reiner. Schließlich ist ein Trend ungebrochen: der des Online-Handels. Und diese Entwicklung breitet sich immer mehr im Food-Bereich aus. Während der Lieferservice von Lebensmitteln in Deutschland noch wenig nachgefragt werde, sei dieses Segment in anderen Kontinenten wie Asien oder Amerika schon deutlich umfangreicher. In diesen Fällen sei eine Verpackung einfach sinnvoll, da Hygiene und Haltbarkeit durch eine Verpackung einfach stiegen. Ohnehin: Durch Verpackungen wirken die Lebensmittelkonzerne dem schnellen Verderben und Wegwerfen von Lebensmitteln entgegen.

Monomaterialien erhöhen die Menge

Beim Thema Verbundmaterialien sieht Reiner einen leichten Trend zu Monomaterialien. Doch damit werde sich sicherlich wieder die Menge an Verpackungen erhöhen, da durch Verbundmaterialien Menge und Gewicht optimiert wurden.

Nur in einem Segment werden derzeit Erfolge gefeiert: bei Plastiktüten. Laut Umfrage gaben 80 Prozent der Befragten an, Papiertüten oder Körbe mit ins Geschäft zu nehmen, damit keine Plastiktüte mehr gebraucht werden. Auch von der Industrie wird ein 90-prozentiger Absatzeinbruch vermeldet, erklärte Reiner.

"Ernstes Problem"

Wobei es bei dieser Antwort eine starke Spreizung gab: 91 Prozent der 55 bis 64-Jähren vermeiden Plastiktüten, während bei der Kohorte von 16 bis 24 Jahren nur zwei von drei Personen diese Art praktiziert. Die Jungen verhalten sich nicht so umweltbewusst wie die Älteren, befand Reiner. Dies liege an der Tatsache, dass die Einführung des  Dualen Systems vor mehr als 28 Jahren zu einem Erziehen geführt hatte. Solch ein erzieherischer Erfolg müsste jetzt wieder durch eine neue „Welle“ aktiviert werden. Reiner sieht großes Potenzial, solch eine Welle durch das Kreislaufthema zu initiieren. Die Tatsache, dass immer mehr Abfall in der Natur lande, bezeichnete Reiner als „ernstes Problem“. (al)