In dieser Anlage soll der Klärschlamm von 15 kommunalen Wasser- und Abwasserverbänden entsorgt und dabei "grüne Fernwärme" produziert werden.
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3,6 Mio. Euro aus Berlin für Klärschlamm-Entsorgungsanlage

Die Entsorgung von Klärschlamm ist teuer und auf Feldern soll er nicht mehr verklappt werden. Deshalb planen viele Kommunen nun zusammen eine Verbrennungsanlage in Rostock. Sie soll CO2-neutral Fernwärme produzieren.

Das Modellprojekt einer klimafreundlichen Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Rostock kommt voran. Die Förderzusage des Bundesumweltministeriums über 3,6 Millionen Euro sei ein symbolischer Spatenstich, sagte der Aufsichtsratschef der Klärschlamm-Kooperation MV (KKMV), Eckhard Bomball, am Freitag bei einer Vorstellung des Projekts in Rostock.

Mit der Anlage soll ab 2024 der Klärschlamm von 15 kommunalen Wasser- und Abwasserverbänden entsorgt und dabei "grüne Fernwärme" produziert werden. Vor allem Kommunen aus dem Nordwesten des Landes und dem mittleren Mecklenburg tragen das Projekt. Sie produzieren den KKMV-Angaben zufolge rund 70 Prozent des Klärschlamms des Landes. Insgesamt soll die Entsorgungsanlage jährlich 10.000 Tonnen CO2 aus der Fernwärmeherstellung einsparen und Wärme für 3700 Haushalte liefern. Die Projektkosten sollen sich auf rund 50 Millionen Euro belaufen.

Trocknung an drei Standorten

Der Schlamm soll an drei Standorten in Grevesmühlen (Landkreis Nordwestmecklenburg), Schwerin und Stavenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) vorgetrocknet und dann zur endgültigen Entsorgung nach Rostock gebracht werden. In den Anlagen in Grevesmühlen und Schwerin soll unter anderem Solarenergie zum Trocknen eingesetzt werden, hinzu komme Abwärme aus ohnehin vorhandenen Anlagen. Durch die Vortrocknung steige der Heizwert des Materials und das Gewicht sinke, so dass weniger Lkw-Transporte nötig werden. Auch dies soll zur CO2-Reduktion beitragen.

Ziel der Kommunen ist eine langfristige Entsorgungssicherheit für Klärschlamm bei stabilen Preisen. Denn die Entsorgung des Materials ist teuer geworden: Innerhalb weniger Jahre sei der Entsorgungspreis auf dem Markt von 30 auf 200 Euro pro Tonne gestiegen und werde weiter steigen, sagte Bomball. Die eigene Entsorgung durch die Kommunen soll dagegen im schlimmsten Fall 95 Euro pro Tonne kosten.

Solidarische Lösung

"Es ist eine kommunale, solidarische Lösung", sagte Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne), "die kostendeckend, aber nicht gewinnorientiert arbeite". Die Kapazität der Anlage sei mit 25.000 Tonnen pro Jahr durch das Aufkommen der Kommunen von derzeit 23.000 Tonnen fast ausgelastet, was eine sichere Kalkulation ermögliche.

Zusätzlich soll der wertvolle Rohstoff Phosphor aus der Asche extrahiert werden, den vor allem die Landwirtschaft als Dünger benötigt. Schadstoffe im Schlamm wie Arzneirückstände, Hormone, Mikroplastik oder Schwermetalle würden verbrannt und Rückstände mit Filtern zu 99 Prozent aufgefangen, sagte Matthäus. Bislang wird Klärschlamm mitsamt aller Inhaltsstoffe häufig als Dünger auf Feldern ausgebracht. (dpa/pm)