In den 60er und 70er Jahren haben solche Schaumberge wegen ungeklärter Waschmaschinenabwässer das Bild der Ruhr und ihrer Nebenflüsse geprägt. Das Bild zeigt den Baarbach bei Iserlohn. Bild: Ruhrverband

An der Ruhr darf man wieder baden

Erstmals seit über 40 Jahren wird am Baldeneysee in Essen wieder eine rechtskonforme Badestelle eingerichtet. Das und mehr zum Weltwassertag.

Die Wasserqualität der Ruhr hat sich seit den 70er Jahren so weit verbessert, dass in diesem Jahr erstmals wieder in dem Fluss gebadet werden darf. Auf diesen Fortschritt weist der Ruhrverband heute zum Weltwassertag hin. Erstmals seitdem wird am größten Ruhrstausee Baldeneysee in diesem Jahr eine Badestelle eingerichtet – rechtskonform. Am dortigen Wehr muss das Flusswasser schon seit den 90ern nicht mehr belüftet werden.

Das Investitionsprogramm des Ruhrverbandes in Kläranlagen startete 1972, als an der Ruhr und ihren Nebenflüssen noch teils meterhohe Schaumberge von Waschmitteln das Bild prägten. Heute weist die Ruhr einen "guten" Gewässerzustand auf, sowohl bei Phosphor als auch bei Ammoniumstickstoff und bei der organischen Restverschmutzung.

Jeder vierte Nitratwert zu hoch

Derweil bleibt das Nitratproblem im Grundwasser. Die Belastung in den Wasserschutz- und Einzugsgebieten der Trinkwasserbrunnen wird nun in einer neuen "Grundwasserdatenbank Nitrat" der Branchenverbände DVGW, VKU und BDEW bundesweit systematisch erfasst. Diese Datenbank gleiche einer Wareneingangskontrolle der Wasserwerke, hieß es. Sie umfasst aktuell 1100 Vorfeldmessstellen und 3700 Rohwasserentnahmestellen mit zusammen über 50 000 Nitratanalysen.

Schon die ersten Auswertungen zeigen nach Ansicht dieser Verbände "dringenden Handlungsbedarf": An 25 Prozent der Vorfeldmessstellen wird der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten. In der Spitze werden sogar Werte bis 400 Milligramm erreicht. Noch verhindere das natürliche Abbauvermögen der Böden, dass das Nitrat die Brunnen erreicht. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass dieses Abbauvermögen in einigen Regionen "deutlich" nachlässt. Es drohe, dass dann "immense" Nitratfrachten an den Brunnen ankommen.

"Stoffstrombilanz sofort und für alle Bauernhöfe!"

Das Nitrat stammt überwiegend aus der Überdüngung in der Landwirtschaft. Die neue Düngegesetzgebung sieht eine "Stoffstrombilanz" vor. Das heißt, die Stickstoffmengen, die auf den Hof kommen und ihn wieder verlassen, werden bilanziert. Die drei Verbände begrüßen dies. Die Stoffstrombilanz müsse "sofort und für alle Betriebe" kommen, fordern sie. (geo)