Luftbild der Kläranlage Leinetal Bild: WAZ Obereichsfeld

Erweiterte Kläranlage Leinetal geht in Betrieb

Durch Klärgaserzeugung und –verstromung kann die Kläranlage Leinetal rd. 100 000 € an Energiekosten einsparen.

Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz nahm gestern die erweiterte und energetisch verbesserte Kläranlage Leinetal bei Heiligenstadt offiziell in Betrieb. Durch eine eigene Energieerzeugung über Klärgaserzeugung und –verstromung können rd. 100 000 Euro pro Jahr an Energiekosten gespart werden, obwohl die Anlage durch die Erweiterung ihre Kapazität nahezu verdoppelt hat.

Der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserentsorgung Obereichs­feld hat seit 2011 für die Erweiterung und die energetische Verbesserung der Kläranlage Leinetal in Uder 6,9 Mio. € investiert. Gut 6 Mio. € davon waren Investitionszuschüsse von Land, Bund sowie aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Mit dem Ausbau der Kläranlage ist die Kapazität von 46 700 auf 80 000 Einwohnerwerte gestiegen. Sie kann damit auch die Abwässer neu angesiedelter Unternehmen rund um Heiligenstadt aufnehmen.

Der Zweckverband modernisierte bei der Erweiterung die seit 1992 betriebene Gebläsestation und drei Belebungsbecken. Allein dadurch spare die Kläranlage bis zu 25 % ein. Herausragendes Einzelbauwerk ist der etwa 16 m hohe Faulturm, der seit Mai fertig ist. Neben dem Faulbehälter liegt ein kugelförmiger Gasspeicher, in dem die entstehenden Faulgase zwischengespeichert werden, bevor diese in einem Blockheizkraftwerk mittels Kraft-Wärme-Kopplung in Strom und Wärme umgewandelt werden. Momentan läuft der Faulturm sowie die zweistraßige Vorklärung und das Anerobbecken im Testbetrieb. Im Juni soll dann durchgehend Gas produziert werden.

Trotz der Erhöhung der Kapazität, verringerte sich mit der energetischen Optimierung der gesamte Energiebedarf der Anlage. Gut die Hälfte ihres Energiebedarfs deckt die Kläranlage dank der Faulgasgewinnung und Nutzung selbst. Die Anlage erzeugt damit jährlich etwa 500 000 kWh Strom direkt.

Aktuell verfügen 14 meist große Thüringer Anlagen bereits über eine Infrastruktur zur Klärgaserzeugung und –verstromung. 17 Kläranlagen mit einer Kapazität von 20 000 Einwohner­werten und mehr werden zurzeit noch ohne eigene Energieerzeugung betrieben. Gemäß der Studie „Energieverbrauch und Energieerzeugung in Thüringer Kläranlagen“ ließen sich im Freistaat Thüringen pro Jahr rd. 14 500 MWh Strom einsparen, wenn bei allen Thüringer Kläranlagen alle Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz umgesetzt würden. Weitere 9000 MWh jährlich könnten die Anlagen selbst produzieren, zusätzlich zu den bereits heute erzeugten 19 200 MWh. (al)