Bei starker Versiegelung in Städten kann das Wasser in Folge starker Regenfälle nur schlecht abfließen. Bild: © Peter Freitag/Pixelio

Neue Stadtquartiere mit Regenwassermanagement

Bisher versickert Regenwasser meist in der Kanalisation. Das soll sich in Berlin nun ändern. Gerade in den neuen Wohnquartieren besteht die Chance, neue Konzepte umzusetzen. Der Berliner Senat will sie ergreifen.

In den neuen Berliner Stadtquartieren soll Regenwasser zur Steigerung der Lebensqualität der Bewohner beitragen. Zudem soll ein dezentrales Regenwassermanagement dazu führen, dass weniger davon einfach in die Kanalisation fließt und bei Starkregen womöglich Überschwemmungen verursacht. Aktuell sei in allen zehn in Planung befindlichen Stadtquartieren ein solcher neuer Ansatz möglich und auch vorgesehen, teilte die Stadtentwicklungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Georg Kössler mit. Dafür würden individuelle Konzepte entwickelt, die den örtlichen Gegebenheiten Rechnung tragen.

Der Senat setzt damit einen Beschluss des Abgeordnetenhauses vom März 2017 um. Damals hatte Rot-Rot-Grün auch das Ziel formuliert, dass jährlich ein Prozent weniger Regenwasser im Abwassersystem ankommt. Stattdessen soll mehr Wasser etwa in Grünflächen oder urbanen Gärten versickern, verdunsten oder gespeichert werden - und zwar dort, wo es herabfällt. Die vor kurzem gegründete, bundesweit erste Regenwasseragentur soll dabei helfen.

Die Gefahr von Hochwasser mindern

Hintergrund ist nicht nur der Ansatz der Nachhaltigkeit: Weil in der Stadt zunehmend Flächen versiegelt werden und sogenannte Starkregenereignisse zunehmen, könnte die verstärkte Regenwassernutzung auch die Gefahr von Hochwasser verringern.

Insgesamt sind in Berlin zwölf neue Stadtquartiere für den Wohnungsbau vorgesehen, in denen 100 000 Menschen eine neue Heimat finden sollen. Zwei davon - die Wasserstadt Oberhavel (Spandau) und die Europacity (Moabit) - werden bereits seit längerem verwirklicht. Daher gibt es hier «Abweichungen» vom Konzept des dezentralen Regenwassermanagements, so die Stadtentwicklungsverwaltung.

Lebensräume schaffen

«Bei den neuen Stadtquartieren wird endlich auch ein dezentrales Regenwassermanagement eingeplant. Das bedeutet viele Gründächer, bewachsene Fassaden und atmungsaktive, nichtversiegelte Flächen», sagte Kössler der Deutschen Presse-Agentur. «So werden angenehme Lebensräume geschaffen und das Stadtklima verbessert, anstatt wertvolles Regenwasser in die Kanalisation zu leiten.»

Wichtig sei nun, dass diese Planungen auch Realität und auf alle zwölf Stadtquartiere ausgedehnt würden. «Nur so können wir Berlin vor katastrophalen Überschwemmungen schützen und unsere Stadt fit für den Klimawandel machen.» (dpa/al)