Keine Kapazitäten für den Klärschlamm der Stadt: die Kläranlage Niederkassel
Bild: © Abwasserbetrieb Troisdorf

Niederkassel sucht nach Entsorger für Klärschlamm

Keine Müllverbrennungsanlage nimmt den Klärschlamm aus Niederkassel derzeit an. Nun überlegen die Niederkasseler, ihren Klärschlamm in Tschechien entsorgen zu lassen.

Die neue Klärschlammverordnung bringt die kommunalen Unternehmen in Zugzwang, denn die landwirtschaftliche Ausbringung der Rückstände aus dem Brauchwasser muss künftig eingestellt werden. Deshalb bauen viele kommunale Unternehmen derzeit Monoverbrennungsanlagen, und dafür muss sehr viel Geld aufgewandt werden. Bei den Niederkasseler Abwasserwerken wurde jetzt eine andere Strategie gewählt: die Verfrachtung in ein östliches Nachbarland.

Rund 2500 Tonnen Klärschlamm pro Jahr stehen an. Die Entsorgung dieser großen Menge wird nun in Niederkassel unter der Rubrik "nicht vorhersehbare Probleme" gelistet, wie Helmut Esch, der Betriebsleiter des Abwasserwerkes, zugleich Technischer Beigeordneter der Stadt Niederkassel, nach Angaben des "Bonner Generalanzeigers" im jüngsten Werksausschuss Abwasser ausführte. Der Klärschlamm zählt für die Niederkasseler damit zur mittleren Kategorie der Risiken.

Bürger muss für die Misere zahlen

Der geplante Transport nach Tschechien und die Entsorgung dort wird ungefähr doppelt so viel kosten wie die bisherige Entsorgung. Rund 140 Euro pro Tonne muss die Stadt dafür zahlen. Für 2019 sind dafür mehr als 450.000 Euro eingeplant. Doch noch ist diese Form der Entsorgung alles andere als sicher. Der Deal mit Tschechien könnte platzen, dann wäre das "sehr beunruhigend", sagt Esch dem "Generalanzeiger". Denn dann müsse die Stadt Niederkassel Hallen bauen, um 2500 Tonnen getrockneten Klärschlamm pro Jahr zu deponieren.

Für die Niederkasseler Bürger hat die Klärschlamm-Misere Konsequenzen. Schon in diesem Jahr werden die Gebühren für das Abwasser steigen, und zwar um 19 Cent pro Kubikmeter. Die Kanalnutzungsgebühren erhöhen sich von 3,65 Euro auf 3,84 Euro je Kubikmeter Abwasser. Jetzt richten sich die Hoffnungen der Niederkasseler auf die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe. Dort ist eine neue Monoverbrennungsanlage in Planung. "Dort könnten wir eventuell als Träger beteiligt werden", hofft Esch. Bis zur Fertigstellung der Anlage müsse man allerdings mit zehn bis 15 Jahren rechnen. (sig)