Neben Reifenabrieb gelangen Mikroplastikpartikel auch über Kosmetika und Reinigungsmittel in den Wasserkreislauf. Bild: © Stefan Sauer/dpa

Studie: Freier Fluss für Tonnen von Mikroplastik

Sie verstecken sich in Kosmetik, Wasch-und Pflegeprodukten – knapp 47 000 Tonnen Mikroplastikpartikel und Polymere landen jährlich im Abwasser. Noch fehlen rechtliche Regulatorien, um die Flut zu stoppen.

Die Belastung von Abwässern durch Kosmetik-, Wasch-, und Reinigungsprodukte offenbart sich in einer neuen Studie, die der Nabu beim Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits-, und Energietechnik (UMSICHT) in Auftrag gegeben hat, in ungeahntem Außmaß. Dabei wirkt der Anteil von Mikroplastikpartikeln gerade zu lächerlich im Vergleich zur Eintragung von sogenannten Polymeren.

Pro Jahr werden knapp 1000 Tonnen winzige Reibekörper (Micorbeads), wie man sie aus Peelings und Zahncremes kennt ins Abwasserentsorgung emittiert. Hingegen werden bis zu 50 000 Tonnen Polymere durch den Abfluss gespült. Polymere werden überwiegend in der Kosmetikindustrie eingesetzt. In Make-up, Haarsprays und Nagellacken sorgen sie für Filmbildung, Viskositätskontrolle und Eintrübungen. Besonders problematisch: Es gibt keine ähnlich wirksame Alternative für den gelösten, gelartigen oder flüssigen Kunststoff.

Polymere sind nicht gleich Mikroplastik

Für Kläranlagen sind sowohl Mikroplastikteilchen, die nicht einmal fünf Millimeter groß sind als auch Polymere ein schier unbezwingbarer Feind. Kein Filter hält die winzigen Partikel auf und so gelangen sie in Flüsse und Seen oder über den Klärschlamm auf Wiesen und Äcker und damit letztlich in die Nahrungskette.

Mikroplastik ist aus der Umwelt kaum rückholbar und zerfällt nur sehr langsam, wie die Rückstände sich auf den Verdauungstrakt von Organismen auswirkt oder ob die Winzlinge auch  Zellmembranen passieren können, ist noch nicht erforscht. Aus Sicht von Umweltschützern besteht schon jetzt Handlungsbedarf. Daher fordern der BUND und Greenpeace derzeit eine Ausweitung der Definition von Mikroplastik auf Polymere. Die Studienautoren vom Fraunhofer Institut befürworten diesen Vorschlag hingegen nicht, denn Mikroplastik unterscheide sich in Beschaffenheit, Größe und physikalischem Zustand von dem Polymeren, was zu Verwirrungen in der internationalen Debatte und Forschung führen könnte.

Keinerlei Regularien für Polymere

Der Nabu plädiert hingegen dafür, dass schwer abbaubare gelöste, flüssige und gelartige Polymere unter das EU-Chemikaliengesetz fallen und ihr Einsatz dadurch begrenzt werden soll. Bislang gilt für Polymere noch nicht mal eine freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller. Auch die Kriterien für eine Umweltkennzeichnung beschränken sich lediglich auf Mikroplastik. Um ein umweltbewussteres Einkaufsverhalten zu ermöglichen, braucht es aus Sicht des Nabus eindeutig Nachbesserungen. (ls)