Die Gefahr steckt im Detail: Winzige Reinigungskügelchen in Peelings, Waschcremes oder Zahnpasten fordern die Abwässerungsbetriebe heraus.
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Südholstein: Sauberes Abwasser muss her!

Was am Ende vom Rohr herauskommt, darf nicht nur vom Klärprozess abhängen. Über 40 Kommunen haben nun eine Resolution gegen Mikroplastik und Spurenstoffe verabschiedet.

Essensreste, Kosmetiktücher und jede Menge Verpackungsmüll – was eigentlich in die Tonne gehört, landet nicht selten in der Toilette und sorgt in Abwasserleitungen oder spätestens im Klärwerk für Verstopfungen, die Zeit und Geld kosten. Aufwendig und ärgerlich, nicht nur für Entwässerer – immerhin werden die Mehrkosten auf den Endverbraucher umgelegt. Noch problematischer sind nur Mikroschadstoffe für die Abwasserbetriebe. Eine Resolution des Abwasser-Zweckverbandes Südholstein (AZV) macht der Politik nun Druck.

Die Richtung der 45 AZV-Mitgliedskommunen ist klar: Das Verursacherprinzip muss gestärkt werden – "was erst gar nicht ins Abwasser gelangt, muss auch nicht mühsam herausgeholt werden", erklärt der Verband. Deshalb brauche es neben Aufklärungs- und Informationskampagnen auch ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und Reinigungsmitteln. Was gelöste Kunststoffe, wie sie in diversen Pflegeprodukten enthalten sind, im Wasserkreislauf anrichten können, zeigte der Vorfall in der Schlei.

Umweltfreundliche Wirkstoffe und Aufklärung

Vergangenen Frühling mussten die Schleswiger Stadtwerke den Meeresarm der Ostsee mit einem Spezialschiff vom Mikroplastik säubern. Der Kläranlage gingen nicht alle Kleinstpartikel aus dem Gärsubstrat in den Filter. Wochenlang kreuzte ein speziell umgebauter Katamaran in Ufernähe. Neben Microbeads und Polymeren gehören auch Medikamente und Fasern aus Waschmaschinenabwasser sowie Kunststoffe aus Industrie und Handwerk zu den Härtefällen in der Abwasserbehandlung.

Der AZV plädiert nicht nur für schärfere Auflagen gegenüber der Pharmaindustrie, vermehrt auf umweltfreundliche Wirkstoffe zu setzen, sondern sieht auch Krankenhäuser, Praxen und Apotheken in der Pflicht, aufzuklären. Zudem soll durch den Einsatz von Urinbeuteln vermieden werden, dass umweltschädliche Rückstände in den Wasserkreislauf Eingang finden. Nicht zuletzt wenden sich die Kommunen auch an die Verbraucher – immerhin gelangt ein Großteil der unsichtbaren Schadstoffe über den Haushaltsabfluss in die Klärwerke. Der einfache Tipp: Auf Plastik, egal ob sichtbar oder versteckt, verzichten. (ls)