Eine vierte Klärstufe soll künftig anthropogene Stoffe entfernen: die Kläranlage Überlinger See in Seefelden.
Bild: © Zweckverband Abwasserbeseitigung Überlinger See

Überlingen: Vierte Reinigungsstufe für die Kläranlage

Die Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Überlinger See wird mit einer vierten Klärstufe aufgerüstet. Das Ziel ist die vollständige Beseitigung anthropogener Spurenstoffe.

Medikamente und Hormone – diese anthropogenen Spurenstoffe treten vermehrt im Abwasser auf. Der Abwasserzweckverband (AZV) Überlinger See, der das gleichnamige Klärwerk in Seefelden betreibt, wird der Zunahme solcher Spurenstoffe und weiterer bedenklicher Mikroverunreinigungen, die von Menschen verursacht sind, mit einer vierten Reinigungsstufe begegnen. Auch Röntgenkontrastmittel und Rostschutzmittel gehören zum Beispiel zu diesen Stoffen.

Im November 2017 hatte die Verbandsversammlung schon beschlossen, eine vierte Reinigungsstufe zu bauen – im Anschluss an die mechanische Vorreinigung, die Entfernung von Nitrat durch Mikroorganismen und die chemische Fällung von überschüssigem Phosphat. Allerdings sind die Kosten, die zunächst auf rund 3,5 Mio. Euro geschätzt worden waren, aus dem Ruder gelaufen. Fast 6 Mio. Euro wird die Klärstufe nun kosten, unter anderem, weil eine zusätzliche Filteranlage, die zunächst nicht eingeplant war, erforderlich ist.

Ozonung und Sandfilter

Zur Beseitigung der bedenklichen Verunreinigungen soll eine Ozonung des Abwassers im Verlauf der dritten Reinigungsstufe dienen – eine Behandlung mit der hochreaktiven Sauerstoffmodifikation, die die unerwünschten Spurenstoffe über eine Oxidation zerlegen. Nun kann zum Beispiel der schmerzlindernde Wirkstoff Diclofenac, der unter anderem in Voltaren-Produkten enthalten ist, zu 95 Prozent aus dem Abwasser eliminiert werden. Zusätzlich eingeplant wurde nun eine Nachbehandlung mit Sandfilter, um die neue, vierte Stufe langfristig betriebsstabil zu halten.

Im Jahr 2020 soll mit dem Bau der vierten Klärstufe begonnen, 2021 soll sie voraussichtlich fertiggestellt werden. Die Schmutzwassergebühr beträgt seit 1. Januar 1,67 Euro je Kubikmeter, bisher waren es 1,64 Euro. Die Niederschlagswassergebühr beträgt künftig 0,31 Euro je Quadratmeter versiegelter und an die Kanalisation angeschlossener Fläche; sie steigt damit um immerhin knapp 20 Prozent. Das Klärwerk in Seefelden hat eine Kapazität von 70.000 Einwohnergleichwerten. (sig)