Auf Agarplatten wachsen Keime zu Kolonien heran.
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"Wir haben Wissenslücken"

Multiresistente Keime sind in niedersächsischen Gewässern gefunden worden. Jetzt initiiert das dortige Umweltministerium eine Beprobung von Oberflächengewässern. Die Grünen im Bundestag wollen nun von der Bundesregierung wissen, inwieweit dieses Problem bereits bekannt ist. Zudem werden Maßnahmen für Kläranlagen abgefragt.

Das Thema antibiotikaresistente Keime rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) lassen sich in verschiedenen Gewässern in Niedersachsen diese Keime nachweisen. Das Bundesland Niedersachsen hat nun reagiert: Umweltminister Olaf Lies verkündete gestern, eine Beprobung von Gewässern in Niedersachsen zu veranlassen. Insgesamt sollen an die 200 Proben an verschiedenen Stellen genommen werden, darunter Standorte an Kläranlagen, in Regionen mit einer hohen Viehdichte, sowie an Stellen, an denen bereits die Gewässergüte beprobt wird, schreibt das Umweltministerium in einer Pressemitteilung. Die Ergebnisse sollen bis zum Sommer vorliegen.

Umweltminister Olaf Lies: „Wir wissen zur Zeit noch zu wenig über die Wirksamkeit und Übertragungswege von Resistenzen über den Pfad der Umwelt. Ebenso gibt es momentan weder national noch international Kriterien oder Grenzwerte zur Bewertung von multiresistenten Keimen. Nur Badegewässer werden in der Badesaison auf Keime untersucht. Der Gesetzgeber hat dafür bisher keine Veranlassung zum Beispiel in der Wasserrahmenrichtlinie gesehen. Wir haben also Wissenslücken."

"Wir brauchen Standards"

Um diese zu schließen, fordert Minister Lies den Bund auf, sich aktiv in den Prozess der Datenerhebung und der Schaffung von Bewertungsmethoden einzubringen. „Wir brauchen bundesweite Standards", sagte Lies.

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen haben nun eine kleine Anfrage an die Bundesregierung entsandt. Die Fraktion will von der Bundesregierung wissen, aus wie vielen Oberflächengewässern in Deutschland Trinkwasser gewonnen wird. Zudem fragt die Partei, ob diese Gewässer auf eine Belastung mit diesen Keimen untersucht werden. Eine weitere Frage lautete, welche Nachrüstungen von Kläranlagen die Bundesregierung für sinnvoll erachte und welche Kosten durch diese Maßnahmen entstünden.

Der "One-Health-Ansatz" in Niedersachsen

Niedersachsen selbst beschäftigt sich bereits seit 2016 intensiv mit diesem Thema, erklärte das Ministerium. Damals habe der Interministerielle Arbeitskreis der Niedersächsischen Landesregierung eine Strategie gegen Antibiotikaresistenz beschlossen und 2017 den Abschlussbericht für eine Antibiotikastrategie vorgelegt (www.antibiotikastrategie.niedersachsen.de). Die Strategie verfolge den sogenannten „One-Health-Ansatz", nach dem die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt in Beziehung stehen und somit auch gemeinsam betrachtet werden müssen, so das Umweltministerium.

Die wirkungsvollste Eindämmung von Multiresistenzen liege demnach in einem verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika in der Human- und in der Tiermedizin. Lies: „Um Resistenzen zu bekämpfen ist ein vernünftiger Umgang mit Antibiotika sowohl in der Human- als auch Tiermedizin absolut erforderlich. Wir müssen deshalb vor allem immer an die Primärquellen ran. Es ist billiger, den Einsatz von Antibiotika an der Quelle zu reduzieren, als die Mittel später dann wieder für viel Geld aus den Gewässern zu filtern." (al)