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05 September 2017 | 11:40

"Medikamenten-Verbrauch steigt bis zu 70 Prozent"

Die deutsche Bevölkerung schrumpft, sie nimmt aber mehr Medikamente ein. Der Müll ist ein Problem für die Wasser- und Abwasserwirtschaft.

Die vergreisende Gesellschaft in Deutschland wird 2045 um "bis zu" 70 Prozent mehr Medikamente verbrauchen. Das ist das Ergebnis einer gestern vom Verband BDEW veröffentlichten Studie von Civity. Die Spurenstoffe aus unsachgemäß weggeworfenen Medikamenten stellen die Kläranlagenbetreiber vor große und – wie die Autoren und ihre Auftraggeber rüberbringen wollen – künftig größere Probleme, wenn die Politik nicht gegensteuert. Denn selbst Nachrüstungen mit der vierten Reinigungsstufe verringern nur die Konzentration von Rückständen aus Medikamenten, Wasch-, Reinigungs- und Spritzmitteln.

Der BDEW forderte eine "ganzheitliche Arzneimittelstrategie" mit einem "breiten Maßnahmenpaket" nach dem Verursacherprinzip, um den Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt so gering wie möglich zu halten:

  • Die Hersteller müssten umweltschädliche Wirkstoffe möglichst ersetzen.
  • Die Apotheken sollen auf "bedarfsgerechte Verpackungsgrößen" achten.
  • Und die Verbraucher sollen Medikamentenmüll "sachgerecht über den Haus- und Sondermüll entsorgen", also nicht im WC oder im Waschbecken.

Der Verband stellte aber auch klar, dass "heute" um die hohe Trinkwasserqualität in Deutschland kein Anlass zur Sorge bestehe.

So vergreist die Bevölkerung

Der Studie zufolge steigt der Anteil der über 60-Jährigen in Deutschland bis 2045 von 27 auf 36 Prozent – und damit auch ihr Anteil am gesamten Arzneimittelverbrauch von 64 auf 71 Prozent. Zudem werde der Pro-Kopf-Verbrauch zunehmen. Damit werde der Bevölkerungsrückgang, den das Statistische Bundesamt in mehreren Szenarien von 81,5 auf 74,0 bis 80,3 Mio. vorhersagt – Ausnahme: eine angenommene Geburtenrate von 2,1 statt derzeit 1,4 Kindern je Frau –, überkompensiert.

Handlungsempfehlungen an die Politik von Bund und Ländern gibt es bereits seit Juni: in einem "Policy Paper" des "Stakeholder-Dialogs 'Spurenstoff-Strategie des Bundes'". Daran hatten Interessenvertreter der Wasser- und Abwasserwirtschaft – der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der DVGW, der BDEW und die DWA –, der Kommunen, der chemischen, Kosmetik-, Textil- und Arzneimittelindustrie, der Ärzte, Kassen, Kliniken und Apotheken, der Arbeitnehmer und der Verbraucher mitgewirkt.

In einer Zusammenfassung des VKU schlug das Papier unter anderem vor:

  • Eine branchenbezogene Liste gewässerrelevanter Spurenstoffe als Basis für ein bundeseinheitliches Vorgehen.
  • Hersteller sollten auf Verpackungen und in Beipackzetteln auf Spurenstoffe hinweisen und davor warnen müssen, etwa Medikamente im Klosett oder im Waschbecken zu entsorgen.
  • Und wenn die Klärwerksbetreiber im Einzelfall doch Spurenstoffe verringern müssten, sollten die Mehrkosten dieser "End-of-Pipe-Lösung" verursachergerecht getragen werden – und nicht nur über die Abwassergebühren sozialisiert werden. (geo)


Hier externer Link zu den Empfehlungen des Stakeholder-Dialogs "Spurenstoffstrategie des Bundes" vom Juni 2017, 36 Seiten

Hier externer Link zur Zusammenfassung der Civity-Auftragsstudie, 5 Seiten

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im ersten Halbjahr ausgestoßen. Laut der Denkfabrik
Agora Energiewende bedeutet dies, verglichen mit 2016, einen Anstieg von fünf Mio. Tonnen oder 1,2 Prozent.