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16 Juni 2017 | 11:00

„Ausbau der Elektromobilität im Vordergrund“

Die Zahl der Erdgastankstellen (CNG) ging von 900 im Jahre 2010 auf derzeit 878 zurück. , Bild: H. C. Neidlein
Bild: H. C. Neidlein
Die Zahl der Erdgastankstellen (CNG) ging von 900 im Jahre 2010 auf derzeit 878 zurück.
Jüngst hat der Bundestag die Steuerprivilegien für Autogas und CNG verlängert. Experten sehen darin jedoch allenfalls eine Übergangslösung.

Städte wie Stuttgart und München, wo immer häufiger Stickoxidgrenzwerte überschritten werden, planen zur Luftreinhaltung Dieselfahrverbote. Neben Elektroautos gelten auch erdgasbetriebene Fahrzeuge als Alternative. Die Steuerbegünstigung für LPG-Autogas wird bis Ende 2022 verlängert, beschloss jüngst der Bundestag bei Enthaltung der Grünen. Bis Ende 2026 bleibt CNG steuerprivilegiert. „Die alternativen Kraftstoffe Erdgas und Autogas leisten einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz und zur Verringerung der Luftschadstoffemissionen durch den Kfz-Verkehr“, heißt es in der Begründung.

Klimaschutzbeitrag umstritten

Dies ist allerdings zumindest aus klimapolitischer Sicht umstritten. Denn laut Angaben des Umweltbundesamtes sind die Emissionen von Erdgasfahrzeugen nur sechs Prozent geringer als die von Dieselfahrzeugen.

„Um das Treibhausgas-Ziel des Verkehrssektors für 2030 zu erreichen, müssten rechnerisch so viele Erdgasfahrzeuge zugelassen werden, dass sie den heutigen gesamten Fahrzeugbestand um ein Vielfaches übersteigen“, unterstrich jüngst UBA-Experte Dr. Uwe Lepprich bei der Gaskonferenz des VKU in Leinfelden-Echterdingen. Bei LPG-Autogas, einem Nebenprodukt der Erdölraffinierung, ist der Klimaschutzbeitrag noch geringer.

Deutlich weniger Stickoxide

Günstiger sieht der Beitrag gasbetriebener Autos zur Lösung der Luftschadstoffprobleme in den Städten aus. Laut ADAC emittieren vor allem erdgasbetriebene Fahrzeuge gut ein Viertel weniger Stickoxide und auch deutlich weniger Feinstaubpartikel als Diesel. „Grundsätzlich kann die Verwendung flüssiggasbetriebener Fahrzeuge zu einer Senkung von Feinstaub- und Stickstoffdioxidemissionen beitragen“, sagt auch Edgar Neumann, Sprecher des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg.

Er verweist allerdings darauf, dass LPG und Erdgas beides fossile Brennstoffe sind und damit „allenfalls als Übergangslösung“ zu werten seien. „Für Baden-Württemberg steht der Ausbau der Elektromobilität im Vordergrund“, betont Neumann.

Autoexperte fordert Vorrang für E-Mobilität

Ähnlich sieht dies Prof. Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. „Zumindest für eine Übergangszeit können CNG und LPG-Antriebe rein technisch gesehen im Hinblick auf die Luftreinhaltung und CO2-Reduzierung schon interessant sein“, sagt Diez.

„Trotzdem bin ich eher skeptisch“, ergänzt er. Zum einen seien beiden fossile Kraftstoffe endlich. Auch trügen sie nicht dazu bei, die hohe Importabhängigkeit bei Kraftstoffen zu senken. Zudem verweist er auf Akzeptanzprobleme von Verbrauchern in punkto Explosionsgefahr von Gasen.

Diez begrüßt einen klaren Kurs pro Elektromobilität. „Die Automobilhersteller können nicht gleichzeitig in alle verschiedenen alternativen Antriebstechnologien investieren. Mittlerweile haben sie sich für Elektromobilität entschieden, was ich für sinnvoll halte“, sagt er. Dies stärke auch die Exportfähigkeit.

Auch bei der Infrastruktur sieht Diez einen großen Vorteil für batteriebetriebene E-Fahrzeuge. Er verweist darauf, dass diese praktisch flächendeckend an der eigenen Steckdose geladen werden können und Ausbauinitiativen für die öffentliche Ladeinfrastruktur gut angelaufen sind. Im Gegensatz dazu müsste für CNG-Fahrzeuge mit hohem Aufwand eine neue Infrastruktur aufgebaut werden. Die Zahl der CNG-Tankstellen ging in den vergangenen Jahren leicht zurück, auf derzeit 878.

Erster Schritt: Tankstellen nicht schließen

Eine andere Meinung zum Thema CNG-Mobilität hat der VW-Konzern und andere Konzerne: Mitte Juni lud ein Industriekonsortium unter Führung des Volkswagen-Konzerns Flotten-Manager, Politiker und Journalisten zur ersten CNG-Roadshow nach Hamburg. Der Autobauer brachte eine Fahrzeug-Flotte vom Seat Mii bis zum neuen Audi A5 G-Tron mit. Erstmals konnte auch eine größere Öffentlichkeit den neuen Audi A4 Avant G-Tron probefahren.

Sowohl die Gasnetz- und Tankstellen-Betreiber aber auch der neu im CNG-Markt agierende Öl-Konzern Total betonten in Gesprächen mit der ZfK, dass ihnen neben dem Bau neuer Tankstellen sehr wichtig ist, dass bestehende Tankstellen nicht geschlossen werden. Wieder erklärt der oberste CNG-Manager des Volkswagen-Konzerns, weshalb es derzeit die falscheste Zeit sei, eine CNG-Tankstelle dicht zu machen. Und die Vertreter von Gazu, Ontras, Open Grid Europe, Pitpoint sowie Total bitten Stadtwerke, die Probleme mit ihren CNG-Tankstellen haben, sich erst mit den Partnern des Konsortiums in Verbindung zu setzen. Gemeinsam könnten meist Lösungen gefunden werden. Für den Sommer plant das Konsortium weitere CNG-Roadshows. VW will den Markt außerdem flächendeckend mit Verkäufer-Schulungen und besonderen Leasing-Angeboten beleben. (hcn/vos)

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Megawatt betrug der Zubau an Ökostromleistung weltweit in 2016, berichtet die Internationale Energieagentur (IEA). Das ist ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr und umfasst nahezu zwei Drittel der neuen Stromerzeugung.