Berlin vergibt Ladeinfrastruktur an Konsortium

Alliander, The New Motion GmbH und Allego müssen bis Jahresmitte in der Bundeshauptstadt 420 E-Mobil-Ladepunkte errichten.

Das Land Berlin hatte Ende 2012 den von ihm mitfinanzierten Aufbau einer engmaschigen Elektrofahrzeuge-Ladeinfrastruktur als erste deutsche Körperschaft europaweit ausgeschrieben und nun (9. Jan. 15) komplett an ein deutsch-niederländisches Konsortium aus Alliander AG, The New Motion GmbH und Allego GmbH vergeben. Der Betreibervertrag läuft zunächst bis Ende 2020. Die in drei Losen aufgeteilte Ausschreibung war auf reges Interesse von etwa 30 Bewerbern gestoßen. Sie lief nach dem neuen "Berliner Modell" ab, das das Land mit seinen Beratern Becker Büttner Held (BBH), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und TÜV Süd entwickelt hatte.

Kennzeichen des "Berliner Modells" sind gemäß Erläuterungen von Anwalt Dr. Christian de Wyl von BBH gegenüber der ZfK: eine klare Trennung der E-Mobilitäts-Marktrollen gemäß der Alternative-Kraftstoffinfrastrukturen(AFI)-Richtlinie der EU, der diskriminierungsfreie Zugang aller technisch geeigneten "Mobilitätsdienstleister" und aller E-Fahrzeug-Nutzer zu den Ladesäulen, ein einheitliches Erscheinungsbild, Nutzerfreundlichkeit, Berücksichtigung sowohl von Wechsel- als auch von Gleichstromtechnik, die Offenheit gegenüber bisherigen Infrastrukturbetreibern sowie Vorgaben gegen eine Monopolisierung durch Missbrauch der freien Preisbildung oder strategische Belegung bestimmter Säulen.

Bis Mitte des Jahres muss das Konsortium 400 Wechselstrom(AC)-Ladepunkte mit EU-einheitlichem Typ-2- oder Mennekes-Stecker (entspricht in der Regel 200 Ladesäulen) und 20 Gleichstrom(DC)-Schnellladepunkte errichten und dürfen jetzt damit beginnen. Damit soll das "Henne-Ei-Problem" gelöst werden, dass eine weitmaschige Infrastruktur die Verbreitung von E-Fahrzeugen behindert und umgekehrt, so de Wyl. Die Standorte waren vorab vom Land in Zusammenarbeit mit dem DLR definiert worden. Zielgruppen sind in dieser ersten Phase vor allem Carsharing-Unternehmen und gewerbliche Flottenbetreiber. Bis Juni 2020 kommen je nach nachgewiesenem Bedarf bis zu 700 AC-Ladepunkte und 20 DC-Ladepunkte hinzu ("Amsterdamer Modell"). Das Land schießt bis zu 3000 € pro Anschluss an das Stromnetz zu. Am Ende des Vergabezeitraums, der sich um zwei Jahre verlängern lässt, fällt die Infrastruktur ins Eigentum des Landes, das sie erneut vergeben kann. So sei es auch angedacht, sagte de Wyl der ZfK.

Die "Mobilitätsanbieter" versorgen ihre Kunden mit RFID-Karten, die den Zugang zu den Säulen öffnen, und verlangen von ihnen entweder gar nichts oder ein von der Lade- bzw. Stehzeit abhängiges Entgelt (nicht kWh-Preise), mit oder ohne Grundgebühr. Sie bekommen ein kleines Logo an ihren Ladepunkten zugestanden. Die "Betreiber" müssen von den "Mobilitätsanbietern" "angemessene" Preise verlangen – mehr ist nicht definiert. Nicht zuletzt dürfen die bisherigen Ladestationsbetreiber ihre Ladesäulen bei den Betreibern einbringen. Sie müssen sie jedoch etwa auf RFID-Technologie umrüsten. Am 2. März findet bei BBH eine Konferenz zur E-Mobilität statt. (geo)