Die Projektleiter von E-Connect Germany (v.l.n.r.): Falko Willmes (Stadtwerke Trier), Dr. Winfried Damm (Stadtwerke Leipzig), Markus Lange-Stuntebeck (Stadtwerke Osnabrück), Anna Brauer (Stadtwerke Duisburg), Stefan Sievert (Allgäuer Überlandwerk, Kempten), Georg Wember (Energieversorgung Sylt), Hauke Hinrichs (Smartlab/Stawag, Aachen). Bild: Smartlab

Stadtwerke untersuchen E-Mobilitäts-Konzepte

Die Vernetzung von E-Mobilität und intelligentem Verkehr bzw. intelligenten Stromnetzen wird im Verbund "E-Connect Germany" erforscht.

Der Forschungsverbund "E-Connect Germany" analysiert seit 2012 bis zum nächsten Jahr, wie Stadtwerke die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) nutzen können, um die Elektromobilität künftig in den intelligenten Verkehr (Smart Traffic) und in intelligente Netze (Smart Grids) zu integrieren. Denn Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden. Hinter dem Bündnis mit Leuchtturmcharakter stehen sieben Kommunalversorger aus Sylt, Osnabrück, Kempten/Allgäu, Aachen, Trier, Duisburg und Leipzig, elf Industriepartner, darunter ABB, Siemens und John Deere, sowie vier Hochschulen: die RWTH Aachen, die Universität Duisburg-Essen, die Hochschule Trier und die Hochschule Kempten. Das Gesamtvolumen des Projektes beläuft sich auf 25 Mio. €. In Berlin haben die Projektleiter und Vertreter der Stadtwerke nun ein Zwischenfazit gezogen.

Zunächst gab Dr. Andreas Goerdeler vom Bundeswirtschaftsministerium einen kurzen Statusbericht zum Stand der E-Mobilität aus Sicht der Bundesregierung. Im Anschluss stellten die Projektleiter der Stadtwerke ihre jeweiligen Schwerpunkte vor.

In Osnabrück steht die Verknüpfung der E-Mobilität mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und E-Carsharing im Fokus. Ziel ist es, ein intelligentes Mobilitätsmanagement über die verschiedenen Verkehrsträger hinweg aufzubauen.

Auf der Nordseeinsel Sylt und in der Ski- und Wanderregion Allgäu beschäftigen sich die Partner damit, wie E-Autos und Pedelecs den Tourismus ankurbeln können. Im Allgäu wird zudem untersucht, wie sich E-Fahrzeuge in den beruflichen Alltag integrieren lassen bzw. wie die Bewohner eines Studentenwohnheims E-Autos in einem selbstverwalteten Carsharing-Modell nutzen können. Dazu wird ein intelligentes Fahrassistenzsystem entwickelt.

Die Stadtwerke Trier untersuchen, wie im "Parkhaus der Zukunft" unter Einbeziehung von E-Fahrzeugen Energiemanagementsysteme optimiert und Angebot und Nachfrage besser aufeinander abgestimmt werden können.

Duisburg und Aachen arbeiten an einer Integration der Elektromobilität in intelligente Stromnetze und versuchen dabei die Interessen aller Beteiligten, also von Kunden, Netzbetreibern und Energievertrieb, zu wahren. Die Duisburger erforschen speziell, wie das Lastmanagement reagieren muss, wenn beispielsweise viele Mitarbeiter eines Unternehmens gleichzeitig ihr Auto aufladen möchten. Die Aachener hingegen haben sich auf dynamische Tarife spezialisiert, die Privatpersonen dabei helfen sollen, ihre Autos günstig dann zu beladen, wenn viel Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung steht. Zudem arbeitet man im Dreiländereck Aachen an einer IT-gestützten, europaweit vernetzten Ladeinfrastruktur.

In einer anschließenden Diskussion kam u. a. die Frage auf, ob es überhaupt nötig sei, flächendeckend eine Ladeinfrastruktur bereitzustellen, wenn Fahrzeuge sowieso meistens zu Hause oder an der Arbeitsstelle aufgeladen würden. Dr. Winfried Damm, Generalbevollmächtigter der Stadtwerke Leipzig, beantwortete diese Frage mit einem eindeutigen "Ja": "Auch diejenigen, die in der Innenstadt zur Miete wohnen, möchten Elektroautos fahren. Sie haben nicht die Möglichkeit, in der eigenen Garage oder dem Carport zu laden, und sind auf eine öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen."

Weitere Aspekte waren der günstige Strompreis im Vergleich zum Diesel sowie die zu beobachtende Veränderung im Fahrverhalten junger Leute, die nämlich gar kein eigenes Auto mehr wünschen, sondern verstärkt auf Carsharing-Angebote setzen. (msz)