Projektleiter Cemil Coemert von der H2 Mobility GmbH demonstriert die Betankung eines Brennstoffzellen-Autos an der neuen Wasserstofftankstelle am Autohof Lohfeldener Rüssel bei Kassel. Bild: © Göran Gehlen / dpa

Erste Wasserstoff-Tankstelle in Nordhessen

Der Ölkonzern und Tankstellenbetreiber Shell hat am Donnerstag in Kassel eine Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen. Damit wächst das Netz in Hessen auf fünf Stationen.

H2 Mobility Deutschland und ihre Gesellschafter Shell und Air Liquide haben am Donnerstag (9. August) gemeinsam die erste Wasserstoff(kurz H2)-Station in Nordhessen eröffnet – es ist die fünfte in Hessen. Mit der Station am Shell SVG Autohof Lohfelden gehen die Partner somit einen weiteren Schritt in Richtung flächendeckendes H2-Versorgungsnetz in Deutschland. Thomas Zengerly, Chef der Shell Deutschland Oil GmbH: «Es ist die erste zwischen Frankfurt und Hannover.». Trotz der enormen Kosten von 1,4 Mio. Euro pro Anlage, die Europäische Kommission bezuschusst das Projekt mit 700 000 Euro, wolle man weitere Tankstellen bauen. Deutschlandweit soll die Zahl von 44 auf 100 im Jahr 2019 steigen. Die nächsten neuen Anlagen in Hessen sind in Weiterstadt und Bad Homburg geplant.

Bei Brennstoffzellen-Autos wird Wasserstoff in Strom umgewandelt, der das Fahrzeug antreibt. Solche Autos sind laut Shell viel schneller zu Betanken als Elektroautos und zudem emissionsfrei. Doch das Interesse der Kunden ist bisher gering: Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt sind in Deutschland nur 325 Autos mit Wasserstoff als Hauptantrieb gemeldet. Das werde sich ändern, sagte Zengerly. «Wir gehen davon aus, dass dieser alternative Antrieb ab den 20er Jahren in Märkten wie Deutschland, England, Benelux, den USA und Japan eine immer größere Rolle spielt.»

200 Kilogramm Wasserstoff Fassungsvermögen

Die Anlage fasst rund 200 Kilogramm Wasserstoff – das reicht für die Betankung von 40 bis 50 Fahrzeugen am Tag. Die Reichweite dieser Fahrzeuge liegt bei 500 bis 800 Kilometern pro Tankfüllung. Günstiger als ein Benziner sind sie aber nicht unterwegs: Ein Kilogramm Wasserstoff reicht 100 Kilometer und kostet 9,50 Euro.

Das Tankstellen-Netz in Hessen bleibt zudem sehr weitmaschig: Es gibt zwei Anlagen in Frankfurt, eine im Industriepark Höchst in Frankfurt, eine in Wiesbaden, eine in Limburg sowie die neue Zapfsäule in Nordhessen. Das Land Hessen sieht noch Nachholbedarf beim Versorgungsnetz: «Für die Nutzung im Individualverkehr ist der weitere Aufbau von Wasserstofftankstellen notwendig», sagte Marco Kreuter, Sprecher des Verkehrsministeriums. Insbesondere gehe es darum, die Distanz zwischen den Ballungszentren, die bereits relativ gut versorgt seien, zu überwinden. «Die in Nordhessen in Betrieb gehende Tankstelle stellt in diesem Zusammenhang einen wichtigen Lückenschluss dar, um den süddeutschen Raum über Hessen mit Berlin und Norddeutschland zu verbinden», erklärte er.

Die regenerativen Energien nutzen

Wasserstoff kann über Elektrolyse aus erneuerbaren Energien hergestellt werden. Das ist laut dem ADAC Hessen-Thüringen ein wichtiger Punkt: «Wasserstoff ist eine sehr umweltfreundliche Alternative zu fossilen Energieträgern – vorausgesetzt er wird aus regenerativer Energie hergestellt», erklärte Ulrich Buckmann vom Automobilclub in Frankfurt. Bisher würden aber hauptsächlich fossile Energieträger dafür genutzt.

Was das Tankstellennetz und erschwingliche Fahrzeugmodelle angehe, sei «momentan überhaupt noch kein Land in Sicht». Brennstoffzellen-Autos kosten ab 69 000 Euro aufwärts. Die Technologie sei noch extrem teuer. Gefährlich seien Wasserstoff-Antriebe nicht: «Die Tanks sind deutlich sicherer als bei normalen Benzin- oder Dieselfahrzeugen.» (dpa/al)