Eine deutsche Erdgas(CNG)-Zapfsäule. Bild: © H. C. Neidlein

Erstmals mehr als 1000 neue CNG-Autos

Erdgasautos erleben derzeit einen solchen Absatzboom, dass ein Modelljahr schon ausverkauft ist. Derweil ist das erste mit CNG angetriebene Mini-SUV angekündigt.

Im März sind erstmals in einem Monat in Deutschland mehr als 1000 Erdgas(CNG)-PKW neu zugelassen worden. Dies berichtet die ZfK unter Berufung auf nichtöffentliche Zahlen des Beratungsunternehmens Gibgas Consulting und des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). In ihrer öffentlich zugänglichen Monatsstatistik hatte das das KBA CNG und Autogas (LPG) zusammengeworfen.

Demnach kamen vergangenen Monat 1046 CNG-Autos neu auf die Straße. Das waren über fünf Mal so viele wie im März 2017. Der Anstieg hält – mit Dellen – seit Juli 2017 an. Im Januar kamen 866 Erdgas-PKW dazu, im Februar 785. Das waren fast oder gut vier Mal mehr als in den jeweiligen Vorjahresmonaten.

Insgesamt: Gegenteil der Verkehrswende

Gleichwohl macht der Anteil an allen Neuzulassungen nach wie vor nur 0,3 Prozent aus. Im gesamten Fahrzeugbestand geht CNG komplett unter. 62 bis 64 Prozent der Neuen sind Benziner, ein Drittel – Tendenz sinkend – dieselt immer noch. Von März bis März stieg der durchschnittliche CO2-Ausstoß der deutschen Neufahrzeuge um 0,8 Prozent auf 129 Gramm pro Kilometer. Es findet also insgesamt selbst bei Neuwagen noch das Gegenteil einer Verkehrswende statt. Das legen auch die ersten CO2-Schätzungen für 2017 nahe.

Die größte alternative Antriebsart sind nach wie vor die Hybride, deren Neuzulassungen im März die 10000 überschritt. Reine E-Autos wurden 3792 zugelassen. Die Zuwachsraten bewegten sich hier im ersten Quartal zwischen +32 und +95 Prozent.

Freie Fahrt in Verbotszonen, Ersparnis, wenig Umstellung

Thomas Wöber, Chef von Gibgas Consulting, führte gegenüber der ZfK den Erfolg von CNG auf dreierlei zurück:

  • die bis 2026 verlängerte Steuerermäßigung auf den Treibstoff,
  • Abwrackprämien vieler Autohersteller für Euro-1- bis Euro-4-Diesel bei Erwerb eines CNG bis zu 2000 Euro und damit oft der Ausgleich der höheren Anschaffungskosten,
  • sowie die Sicherheit, mit CNG drohende Fahrverbote zu umgehen und gleichzeitig Spritkosten zu sparen, "gerade in Stuttgart bei den Schwaben", so Wöber, der dort eines von drei regionalen CNG-Förderprogrammen betreut. CNG treffe im Vergleich zu E-Autos, die Wöber ebenfalls vermittelt, oft die "Schnittmenge der Vorteile und Gewohnheiten", gerade was das Tanken angehe.

Bald erstes CNG-Mini-SUV

Der Erdgas-Boom sei so groß, berichtet Wöber weiter, dass das aktuelle CNG-Modelljahr des Skoda Octavia ausverkauft sei. Auf Erdgas-VW warte man derzeit drei bis vier Monate. Und die Auswahl wird seit der vergangenen Messe IAA wieder größer: Zuletzt hatte Seat Ende März eine Modelloffensive mit und ohne Erdgas angekündigt. Zu ihr sollen Ende des Jahres das erste CNG-Mini-SUV und dereinst die breiteste CNG-Palette gehören. (geo/vo)