In zwei Jahren LNG über dem Bodensee

Die "Lodi" ist das jüngste Meersburger Fährschiff der Stadtwerke Konstanz. Das Dieselschiff wurde 2010 in Dienst gestellt. Fast baugleich zur "Lodi" soll 2020 das erste Flüssigerdgas(LNG)-betriebene Binnenschiff für die Auto- und Personenbeförderung in Deutschland den Fährbetrieb aufnehmen. Es hat dann zusätzlich aus Sicherheitsgründen in der Schiffsmitte einen acht Meter hohen Ventilationsmast.
Bild: © Stadtwerke Konstanz

Die nächste Meersburger Autofähre im Seitenaufriss. Sie soll 2020 das erste Flüssigerdgas(LNG)-betriebene Binnenschiff für Auto- und Personenbeförderung in Deutschland werden. Sie ist mit der bisher jüngsten "Lodi" baugleich, außer einem acht Meter hohen Ventilationsmast in der Schiffsmitte.
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Die erste mit Flüssigerdgas (LNG) betriebene Fähre Deutschlands wird "made in Germany" sein. Die Stadtwerke Konstanz vergaben den Auftrag an die Hamburger Werft Pella Sietas.

Die Stadtwerke Konstanz haben den Auftrag zum Bau der ersten Fähre Deutschlands, die mit Flüssigerdas (LNG) betrieben wird, an die Hamburger Werft Pella Sietas vergeben. Das ist das Ergebnis einer Ausschreibung, teilte der Kommunalversorger am Freitag mit. Er ist der größte deutsche Binnenreeder.

Von Frühjahr 2020 an soll die Autofähre zwischen Konstanz und Meersburg über den Bodensee pendeln. Ihr LNG-Motor stößt dann – im Gegensatz zu Dieselaggregaten ohne Abgasnachbehandlung – keinen Ruß und keine Schwefeloxide aus, 90 Prozent weniger Stickoxide und zehn Prozent weniger Treibhausgase.

Ersatzbeschaffung für ein profitables Geschäftsfeld

Das Schiff soll die älteste der sechs dieselbetriebenen Meersburger Fähren ersetzen, die "Fontainebleau", die seit fast 48 Jahren läuft. Die Wahl von LNG ist seit mindestens Juli 2016 entschieden. Die Baukosten von 17,7 Mio. Euro gegenüber zwölf Mio. Euro bei einer Dieselfähre sollen sich mit niedrigeren laufenden Kosten, vor allem für den Treibstoff, amortisieren. Eine Verflüssigungsstation existiert am Bodensee und im weiten Umkreis noch nicht.

LNG ist auf -161 Grad heruntergekühltes und damit verflüssigtes Erdgas. Dies erlaubt eine Komprimierung des Treibstoffs um das 600-Fache. Nur so wird Erdgasfährbetrieb überhaupt denkbar. Die Linie zwischen den beiden Städten ist für die Stadtwerke Konstanz ohne Subventionen nachhaltig profitabel. Sie gleicht das Defizit des übrigen Personennahverkehrs aus.

Zweimal 746 kW

Der weitere Zeitplan: Die Schiffsteile werden bis Frühjahr 2019 in Hamburg gefertigt und zusammenmontiert. Die zwei Acht-Zylinder-Gasmotoren der Baureihe MTU 4000 à 746 kW kommen von Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen. "Im Anschluss wird die Fähre in Teile zerlegt und an den Bodensee transportiert", schreibt Stefan Ballier, Geschäftsbereichsleiter "Fährebetrieb". In einer Werft in Fußach im österreichischen Abschnitt des Sees erfolgt die Endmontage, der restliche Innenausbau im Fährhafen in Konstanz-Staad. "Es freut uns, dass das Schiff in Deutschland gebaut wird", schreibt Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Reuter. (geo)