Das Modell einer LNG(Flüssigerdgas)-betriebenen Fähre für die deutsche Nordsee: die künftige Schiffsverbindung zur Insel Helgoland. Bild: Reederei Cassen Eils

LNG erobert den Bodensee

Die Stadtwerke Konstanz haben sich entschieden: Die Ersatzfähre für die "Fontainebleau" über den Bodensee Richtung Meersburg wird mit LNG betrieben.

Der Stadtwerke-Konstanz-Konzern, der größte Binnenreeder Deutschlands und einer der am breitesten aufgestellten Kommunalversorger, betreibt bisher alle seine Bodenseeschiffe mit Diesel. Das wird sich ändern: Bereits im vergangenen Juli hatte der Co-Geschäftsführer des Kommunalversorgers, Dr. Norbert Reuter, angekündigt, das Ersatzschiff für die Fähre "Fontainebleau" zwischen der größten Stadt am Bodensee und Meersburg mit einem Neubau zu ersetzen, der "auf jeden Fall LNG-ready" ist, in das also Flüssigerdgasmotoren eingebaut werden können. Der Vorbehalt war damals lediglich, ob LNG-Motoren verfügbar sind.

Das ist jetzt positiv entschieden, geht aus der Pressemitteilung zu den Geschäftszahlen von 2015 hervor: Eindeutig heißt es darin: "Das Fährschiff wird mit verflüssigtem Gas betrieben werden." Da ein solcher Motor tatsächlich derzeit nicht zur Verfügung stehe, entwickle ihn die in Friedrichshafen ansässige Rolls-Royce Power Systems (RRPS), besser bekannt unter dem alten Namen MTU, "in enger Abstimmung" mit den Stadtwerken. RRPS hat auch die Dieselmotoren für den "Katamaran" gebaut, das Schnellschiff zwischen Konstanz und Friedrichshafen, an dem die jeweiligen Kommunalversorger hälftig beteiligt sind.

Ein Elektroantrieb für den "Fontainebleau"-Nachfolger schied aus, da dazu mehr als neun Mio. Euro Förderung nötig gewesen wären – so viel zur Elektromobilitätsstrategie des grünen Landesverkehrsministers Winfried Hermann – und das Zulassungsrisiko den Stadtwerken zu hoch war.

Die Meersburger Fähren nutzten vergangenes Jahr 4,23 Mio. Fahrgäste – geringfügig weniger als im Rekordjahr 2014. 1,46 Mio. PKW gingen an Bord.

Konzernweit fuhren die Konstanzer Stadtwerke mit 5,3 Mio. Euro den höchsten Vorsteuergewinn der vergangenen zehn Jahre ein. 2014 waren es 2,87 Mio. Euro gewesen, und das bisherige Rekordjahr war 2013 mit 3,19 Mio. €.

Eine Rolle spielte dabei mehr Absatz von Strom, Gas (ein Plus von fast 16 Prozent), Wasser und Wärme (plus drei Prozent). Der Konzernaußenumsatz betrug 174 Mio. Euro. (geo)