Ontras-Tochter investiert in erwarteten CNG-Boom

Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) wiedereröffnet am 20. Juli 2019 mit weiteren Beteiligten offiziell die LKW-CNG-Zapfsäule in der Avia-Tankstelle von Rödl Energie in Neumarkt/Oberpfalz: Manuela Zeitz von der örtlichen CNG-Bürgerinitiative, Geschäftsführer Stefan Rödl sowie Holger Sprung, Geschäftsführer der Ontras-Tochter Moviatec, die die CNG(Erdgas)-Infrastruktur betreibt (von links). Bild: © Ontras

Klimafreundliches Methan in Bayern im Aufwid: CNG-Tankstelle in Neumarkt in der Oberpfalz Bild: © Ontras

Die Verdichterstation der im April 2019 geretteten Erdgas(CNG)-Tankstelle in Neumarkt/Oberpfalz mit Flaschenspeicher Bild: © Ontras

Neumarkt in der Oberpfalz hat seit dem Wochenende wieder eine CNG-Zapfsäule für LKW und Busse. Die ganze Erdgastankstelle war gefährdet. Es hatte sich sogar eine BI für sie gegründet. Retter ist die Moviatec, zusammen mit einem lokalen Partner.

Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) hat am Samstag bei einem "CNG-Infotag" in Neumarkt in der Oberpfalz die Erdgas-Zapfsäule für LKW und Busse offiziell wiedereröffnet und einen Iveco NP 460 betankt. Das berichtet die Mutter des Eigentümers und Betriebsführers Moviatec, der Ferngasnetzbetreiber (FNB) Ontras. Beide gehören wiederum zum VNG-Teilkonzern und zum EnBW-Konzern.

Damit ist die gesamte bisherige CNG-Infrastruktur in der 40.000-Einwohner-Kreisstadt unter einem neuen Betreiber wiederhergestellt. Erst im April hatte Moviatec die Anlagen innerhalb der Avia-Tankstelle von den Stadtwerken Neumarkt übernommen, die das Geschäftsfeld aufgaben und sich seitdem auf die technische Unterstützung Moviatecs beschränken.

Eine Bürgerinitiative gegen die Schließung

Zuvor hatten Autofahrerin Michaela Zeitz und andere eine lokale Bürgerinitiative ("CNG-BI") für den Erhalt gegründet. Die nächste Zapfsäule steht erst 26 Kilometer entfernt in Hersbruck, so das Portal gibgas.de. Allerdings war bis vor Kurzem noch die Neumarkter Nutzfahrzeug-Zapfsäule außer Betrieb gewesen. LKW und Busse lassen sich zwar auch an PKW-CNG-Stutzen anschließen, der Tankvorgang dauert dann allerdings länger.

Damit betreibt die bundesweit tätige Moviatec ihren zehnten CNG-Standort und den ersten außerhalb des ostdeutschen Netzgebiets der Ontras. Der FNB Verbundnetz Gas AG (VNG) hatte die Tochter nach einem strategischen Schwenk im Mai 2018 gegründet, nachdem sie zuvor die elf Tankstellen ihrer ursprünglichen CNG-Tochter an Gazprom Germania verkauft hatte.

Mautfrei und emissionsärmer

Der Trend geht seit mehreren Jahren zu großen, spezialisierten Betriebsführern, wie eben Moviatec, Eon Gas Mobil, Gazprom Germania, Gazu oder Orangegas aus Holland (siehe gedruckte ZfK 8/2016, Seite 22). Moviatec hatte diesen Juni die sechs CNG-Tankstellen des Chemnitzer Regionalversorgers Eins übernommen. Sie betreibt darüber hinaus Standorte in Zeitz (Sachsen-Anhalt) sowie Anklam und Bansin (Mecklenburg-Vorpommern).

Die Chancen mit CNG beschrieb Moviatec-Geschäftsführer Holger Grund in Neumarkt so: "Wir rechnen in den kommenden Monaten mit einem verstärkten Aufkommen von CNG-Fahrzeugen, nicht nur im Schwerlast-Bereich." Die Mautbefreiung und die niedrigen Emissionen, die unter den sich verschärfenden EU-Grenzwerten bleiben, machten CNG zunehmend auch für Flottenbetreiber attraktiv. Dazu kommen die niedrigen Spritpreise: In Neumarkt kostete CNG am Dienstag 1,17 Euro pro Kilo, das wären umgerechnet auf die gleiche Diesel-Fahrleistung 78 Cent pro Liter, so gibgas.de. Diesel kostete dort dagegen 1,249 Euro pro Liter, gab das Portal mehr-tanken.de an.

Der USP von Moviatec

Ontras rechnet den Klima- und Kosteneffekt anhand der eigenen Flotte von durchschnittlich 100 CNG-Fahrzeugen vor: Sie legten 2018 zusammengenommen 2,7 Mio. Kilometer zurück. Dabei sparten sie bei einem Bio-Anteil von 20 Prozent gegenüber Diesel

  • 140 Tonnen CO2,
  • entsprechende Mengen Stickoxide (NOx)
  • und 70.000 Euro Spritkosten.

Moviatec entwickelt, so Ontras-Pressesprecher Ralf Borschinsky, immer zusammen mit lokalen Partnern neue CNG-Standorte, übernimmt bestehende Infrastrukturen oder nur die technische Betriebsführung. Von anderen CNG-Betreibern hebe sie sich ab, indem sie die Entwicklung der örtlichen CNG-Märkte aktiv vorantreibe.

Bayern: CNG "Ergänzung zur E-Mobilität"

In Neumarkt ist der Partner das Familienunternehmen Rödl Energie. Es betreibt unter anderem die Avia-Tankstelle mit den CNG-Zapfsäulen. Geschäftsführer Stefan Rödl bekennt sich zum Beitrag von CNG zur Verkehrswende. "Jedes Gramm CO2, das wir sofort einsparen können, ist besser, als eine einseitige Langzeit-Strategie, die uns – vielleicht – in zehn oder 20 Jahren auf ein niedriges Emissionslevel führen könnte", sagte er und spielte damit auf E-Autos an. Rödl Energie verkauft die Neumarkter Gasmengen auch selbst – das darf Moviatec als Tochter eines Netzbetreibers wegen der Entflechtungsvorschriften nicht. Landesminister Füracker, dessen Wahlkreis Neumarkt ist, nannte CNG-Fahrzeuge mit ihrem Beitrag zur Verkehrswende "eine ernstzunehmende, wirkungsvolle Ergänzung zur E-Mobilität".

Die geretteten CNG-Zapfsäulen befinden sich in der Avia-Tankstelle in einem südlichen Industriegebiet von Neumarkt, nahe an der Schnittstelle zweier Bundesstraßen, die die Stadt umfahren. Sie sind acht Kilometer von der nächsten Autobahn, der A3, entfernt. (geo)