Grünes Tanken: Die EU sieht in ihrer Erneuerbare-Energien-Richtlinie (REDII) eine Minimierung von Klimagasen vor. Dafür sollen Biokraftstoffe der ersten Generation und nun auch der neuen, innovativen zweiten Generation eingesetzt werden.
Bild: © AK-DigiArt/stock.adobe.com

Studie: Höhere CO2-Emissionen bei 2G-Biokraftstoffen

Statt weniger CO2 freizusetzen, droht die neue Generation der Biokraftstoffe mehr Emissionen zu verursachen. Der Grund dafür ist erst auf den zweiten Blick ersichtlich.

Eine Studie des Institutes für Umwelttechnik und Energiewirtschaft (IUE) der Technischen Universität Hamburg (TUHH) zeigt, dass der Einsatz von Biokraftstoffen der zweiten Generation potenziell zu erhöhten Klimagas-Emissionen führen kann.

Biokraftstoffe der ersten Generation werden aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen erzeugt. Dazu gehören beispielsweise Getreide, Soja, Raps oder Palmfrüchte. Die sogenannten 2G-Biokraftstoffe können hingegen aus Rückständen, Nebenprodukten und Abfällen wie zum Beispiel Stroh, Restholz, Altholz und kommunalen Bioabfällen stammen.

Symbiose mit Futtermittel droht wegzufallen

Forscher Benedikt Buchspies erklärt die Problematik, die damit einhergeht: "Heutige Biokraftstoff-Erzeugungsanlagen sind eingebunden in den Futtermittelmarkt; neben Kraftstoffen stellen derartige Anlagen auch Proteinfuttermittel her." Bei den Biokraftstoffen der zweiten Generation würde diese Symbiose entfallen. Somit müssten andere Quellen die Futtermittelnachfrage decken, führt Buchspies aus. Das könnte die Einfuhr aus Drittländern wie beispielsweise Südamerika sein, die, verglichen mit heute, mehr Klimagase freisetzen würde.

Die TUHH schlägt, um belastbare Aussagen über Klimavor- und Nachtteile alternativer Kraftstoffe zu treffen, vor, auch die mit den Kraftstoffen verbundenen direkten und indirekten Substitutionseffekte zu berücksichtigen. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse sei die Politik gut beraten, vor der Implementierung entsprechender administrativer Lenkungsmaßnahmen ganzheitlich und umfassend untersuchen zu lassen, ob die angedachten Instrumente überhaupt geeignet seien, das jeweils angestrebte Ziel zu erreichen, sagt Martin Kaltschmitt, Leiter IUE. "Die jetzigen Maßnahmen greifen hier zu kurz", findet er. (hol)